Börse: Derzeit sind Anleger mit starken Nerven gefragt

Von Friederike Marx, dpa

Die Sorge ist zurück an den Börsen. Das Votum der Briten für einen Brexit verhagelt Investoren die Bilanz des ersten Halbjahrs. Worauf müssen sich Anleger in den kommenden Monaten einstellen?

Frankfurt/Main (dpa) - Der Schock sitzt tief: Milliarden werden nach dem Brexit-Votum an einem Tag an den Börsen vernichtet. Anlegern verdirbt der Crash die Bilanz des ersten Halbjahres. Die Hoffnung, dass sich die Stimmung an den Aktienmärkten bald beruhigt, ist gering. Noch ist völlig unklar, wie die Scheidung Großbritanniens von der Europäischen Union über die Bühne gehen könnte. Und Unsicherheit ist Gift für die Börsen.

«Sollten sich keine selbstverstärkenden Kettenreaktionen ergeben, wird es einige Wochen dauern, bis sich die Märkte an die neuen Umstände angepasst haben und sich wieder beruhigen», sagt Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater voraus.

Fünf Billionen Dollar vernichtete das Brexit-Votum rein rechnerisch der DZ Bank zufolge am vergangenen Freitag an den Aktienmärkten rund um den Globus, allein beim Dax waren es 95 Milliarden Euro. Experten der DZ Bank und der Helaba schließen nicht aus, dass das wichtigste deutsche Börsenbarometer kurzfristig auf bis zu 8000 Punkte absacken könnte.

Keine guten Aussichten also für Privatanleger, die sich zuletzt wegen der historisch niedrigen Zinsen wieder etwas stärker an den Aktienmarkt wagten. Der Bundesbank zufolge kauften Menschen in Deutschland im letzten Quartal 2015 unter dem Strich Aktien und sonstige Anteilsrechte in Höhe von knapp sieben Milliarden Euro.

Seit Anfang 2016 erleben Anleger ein Wechselbad der Gefühle. Die Angst vor einer weltweiten Wirtschaftskrise ließ Dax und Co. schon einmal einbrechen. Von mehr als 10 000 Punkten sackte der deutsche Leitindex auf einen Schlussstand von 8752 Punkten Mitte Februar. Dank aufgehellter Konjunkturaussichten schaffte es der Dax vor dem Brexit-Referendum wieder über die Marke von 10 000 Zählern.

Im Juni dann allerdings fiel der Dax angesichts des Brexit-Votums um 5,7 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus damit auf knapp 10 Prozent. Am Donnerstag schloss der Dax bei 9680,09 Punkten.

Die Unsicherheit sei groß, sagt Robert Halver von der Baader Bank. «Es droht eine Hängepartie um Großbritannien.» Dramatische Turbulenzen wie nach der Lehman-Pleite 2008 als das Finanzsystem und die Weltwirtschaft am Rande eines Kollapses standen, halten Börsianer allerdings für unwahrscheinlich. «Die unmittelbaren Risiken für den Finanzmarkt haben die Notenbanken im Griff», sagt Halver.

Seit Jahren fluten die Notenbanken die Märkte mit Geld. «Liquidität ist ausreichend vorhanden im Gegensatz zur Finanzkrise», sagt Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck & Co.

Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen praktisch abgeschafft und kauft jeden Monat Staatsanleihen und andere Wertpapiere im Volumen von inzwischen 80 Milliarden Euro. Die Folge: Viele Sparprodukte werfen kaum noch etwas ab. Für Bundesanleihen zahlen Anleger teilweise sogar drauf. Der Anlagenotstand ist groß.

Auch andere große Notenbanken halten die geldpolitischen Zügel locker. Zwar erhöhte die US-Notenbank Fed im vergangenen Dezember erstmals seit Jahren den Leitzins leicht. Doch seitdem zögert die Federal Reserve mit weiteren Schritten.

Die Entscheidung der Briten wird nach Einschätzung von Ökonomen allerdings auf die Konjunktur durchschlagen. Das Wachstum in der Eurozone könnte in den nächsten drei Jahren zusammen um 0,3 bis 0,5 Prozentpunkte geringer ausfallen als bisher angenommen, warnte EZB-Präsident, Mario Draghi, Diplomaten zufolge jüngst.

Anleger müssen sich daher wohl auf kräftige Kursausschläge einstellen - starke Nerven sind gefragt. «Die Unsicherheit über die Zukunft Großbritanniens und damit auch über die konjunkturellen Folgen dürfte noch länger anhalten. Das bedeutet eine längere Phase von deutlichen Kursschwankungen», sagt Greil.

(Bild: Silke Kaiser/pixelio.de)



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