Barcode-System soll Finanztransaktionen transparenter machen

Die weltweite Finanzkrise hat gezeigt: Wenn die Aufsichtsbehörden komplexe Geschäfte an den Finanzmärkten niemandem zuordnen können, werden Risiken unterschätzt oder übersehen. Ein digitaler Fingerabdruck soll diese Gefahr bannen.

Frankfurt/Main (dpa) - Gefährliche Kettenreaktionen an den Finanzmärkten wie bei der Lehman-Pleite sollen künftig frühzeitig erkannt werden. Dafür haben die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) beschlossen, dass künftig weltweit alle Marktteilnehmer bei Finanztransaktionen - also etwa beim börslichen und außerbörslichen Handel mit Finanzprodukten - einen digitalen Fingerabdruck hinterlassen müssen, damit sie eindeutig identifizierbar sind. Zum Startschuss der weltweiten Koordinierungs- und Managementeinheit in Frankfurt sagte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Freitag: „Das System ist voll funktionsfähig und arbeitet.“

Kern des Kontrollsystems ist ein digitaler „Barcode“ für Banken, Versicherungen und andere Finanzmarktakteure, der als wichtige Maßnahme und Konsequenz aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gelte, wie das hessische Wirtschaftsministerium betonte. Über 60 Finanzaufsichtsbehörden in mehr als 40 Ländern unterstützten die Einführung des sogenannten „Legal Entity Identifier“ (LEI), über 358 000 dieser Codes seien bereits vergeben worden.

Mit dem vergleichbar der Kontonummer IBAN 20stelligen LEI erhält jeder Finanzmarktakteur von einer nationalen Stelle (Local Operation Unit) eine eindeutige Identifikationsnummer, die von jedermann online abgerufen werden kann. Künftig werden die Informationen über die Transaktionen inklusive der LEI-Codes an die nationalen Aufsichtsbehörden, in Deutschland also an BaFin und Bundesbank oder etwa an die europäische Bankenaufsicht unter dem Dach der EZB, weitergereicht.

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ETF: Attraktive Anlage, vom Kunden verschmäht

Von Friederike Marx, dpa

Der Markt mit börsengehandelten Indexfonds läuft auf Hochtouren. Doch die meisten Privatanleger in Deutschland halten sich von dieser Geldanlage fern. Was sind die Gründe für die Zurückhaltung?

Frankfurt/Main (dpa) - Sie gelten als kostengünstige und relativ einfach zu verstehende Geldanlage: An der Börse notierte Investmentfonds, die die Wertentwicklung eines Indexes wie zum Beispiel des Dax widerspiegeln. Dennoch hält sich die Nachfrage von Privatanlegern in Grenzen - trotz Minizinsen bei Sparbuch und Co. Und das liegt nicht nur an der Skepsis vieler Privatanleger gegenüber Aktien und anderen Börsenprodukten seit dem Platzen der Blase am Neuen Markt und der weltweiten Finanzkrise.

Am 11. April 2000 - vor genau 15 Jahren - startete die Deutsche Börse als erste europäische Börse den Handel mit Exchange Traded Funds (ETF) - wie die Fonds im Fachjargon heißen. Mittlerweile sind auf der elektronischen Handelsplattform Xetra 1057 ETFs von 19 Anbietern gelistet. Das verwaltete Fondsvermögen beträgt 331,6 Milliarden Euro.

Vor allem institutionelle Anleger wie Versicherungen investieren in diese Geldanlage. Nach Schätzungen des Anbieters Lyxor ETFs liegt der Anteil der Privatanleger bei insgesamt 10 bis 15 Prozent des Handelsvolumens in Deutschland. „ETF werden von Banken und Finanzvermittlern nicht so gepusht wie aktiv verwaltete Fonds. Privatanleger müssen daher selbst tätig werden“, sagt Heike Fürpass-Peter von Lyxor ETFs. „Ein Berater einer Bank oder eines Finanzvertriebs wird in der Regel eher Produkte anbieten, die ihm eine vernünftige Provision bringen“, ergänzt Olaf Stotz, Professor an der Frankfurt School of Finance and Management.

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Krise der Lebensversicherung erfasst auch Betriebsrenten

Von Annika Graf, dpa

Die niedrigen Zinsen sind nicht nur für Lebensversicherer eine Herausforderung. Auch für Firmen wird es immer teurer, ihre Pensions-Zusagen einzuhalten. Denn sie sind in der Pflicht, damit die Betriebsrente wirklich sicher ist.

München/Stuttgart (dpa) – „Denn eins ist sicher: Die Rente!“ Kaum eine Aussage wird so oft zitiert wie die über die gesetzliche Rentenversicherung von Norbert Blüm aus dem Jahr 1986. Doch wie sicher sind eigentlich Betriebsrenten? Viele Firmen haben schon vor Jahren angefangen, Geld für ihre Mitarbeiter zurückzulegen. Doch angesichts niedriger Zinsen müssen sie inzwischen kräftig nachlegen, um ihre Zusagen für die Zukunft auch zu erfüllen.

Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, ihren Mitarbeitern eine Entgeltumwandlung für die Altersvorsorge anzubieten. Wählen sie die Form einer Betriebsrente, müssen sie Geld in der Bilanz beiseitelegen - sogenannte Rückstellungen bilden. Vor allem bei großen Konzernen mit einer langen Historie sind das beachtliche Summen: Bei Siemens beliefen sich die Pensionsrückstellungen im Jahr 2014 auf 11,1 Milliarden Euro - gut 700 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor.

Grund für den Zuwachs ist unter anderem das niedrige Zinsniveau. „Um die Rückstellungen zu berechnen, prognostiziert das Unternehmen, welche Leistung in Zukunft fließt“, sagt Karl Wirth vom Wirtschaftsprüfer Ernst & Young. Je weiter der Zinssatz sinkt, desto höher muss die Rückstellung ausfallen. „In der Vergangenheit mit vier bis sechs Prozent Zinsen hatten die Firmen deutlich niedrigere Verpflichtungen.“ Die höheren Rückstellungen wirken sich nicht unbedingt auf den Gewinn aus. Sie binden aber Mittel und engen den finanziellen Spielraum der Firmen ein. „Auf jeden Fall greifen sie das Eigenkapital an“, erklärt Wirth.

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Banken beklagen sich über „Raubritter-Mentalität“

Von Erik Nebel, dpa-AFX, und Hannes Breustedt, dpa

Kein Ende der Milliardenstrafen in Sicht: Großbanken dies- und jenseits des Atlantiks werden von Altlasten verfolgt, Finanzaufseher brummen ihnen immer neue Bußgelder auf. Das zehrt an den Gewinnen.

Frankfurt/New York (dpa) - Die USA lassen nicht locker: Fast sieben Jahre nach der Finanzkrise läuft die juristische Aufarbeitung von dubiosen Geschäften der Großbanken auf Hochtouren. Das ist zu einer lukrativen Einnahmequelle für die Aufseher geworden, die die Institute zu immer neuen Vergleichen drängen - was zuletzt wieder auf die Bankengewinne drückte. Weitere Milliardenstrafen werden folgen, vor allem die europäischen Banken sind noch nicht aus dem Schneider.

Auf rund 230 Milliarden Dollar (198 Mrd Euro) schätzen die Analysten der Investmentbank Morgan Stanley die Kosten aus Rechtsstreitigkeiten für die 30 größten Institute in Europa und den USA. In New Yorker Bankenkreisen wird immer stärker eine Raubritter-Mentalität der Aufseher beklagt. „Sie nehmen, was sie kriegen können“, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dass die meisten US-Banken trotz der hohen Strafen weiter Milliarden scheffeln, wird dabei gern vernachlässigt.

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Ölpreisentwicklung blamiert „Peak Oil“-Panikmacher

Von Eckart Gienke, dpa

Der Ölpreis ist 2014 zusammengebrochen. Doch zuvor war er mehrere Jahre lang auf einem relativ hohen Niveau stabil. Bleibt Öl jetzt für eine längere Zeit günstig? Oder bekommen Wirtschaft und Verbraucher nur eine kleine Atempause?

Hamburg (dpa) - Die These ist so verbreitet, dass sie kaum mehr angezweifelt wird: Das Ende des Erdöl-Zeitalters steht bevor. Öl ist heute schon knapp und hat seinen Zenit als Energielieferant der industriellen Epoche überschritten. Doch der Rohölpreis hat sich in nur sechs Monaten fast halbiert. Das passt nicht zusammen, eigentlich.

Wieviel Öl gibt es noch auf der Erde?

Die Fachleute unterscheiden zwischen Reserven und Ressourcen. Reserven sind Rohstoffe, die mit heutigen Mitteln wirtschaftlich gefördert werden können, also zum Verbrauch zur Verfügung stehen. Ressourcen sind weitere Vorkommen eines Rohstoffs in der Erdkruste, die aber noch nicht zugänglich sind. Die Ölreserven betragen, je nach Quelle, ungefähr 220 bis 240 Milliarden Tonnen, davon etwa ein Fünftel aus unkonventionellen Quellen wie Schieferöl und Ölsände. Den bisherigen Verbrauch seit Beginn des Ölzeitalters beziffert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf 175 Milliarden Tonnen.

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Verhilft billiges Geld noch zur Jahresendrally?

Das billige Geld der Notenbanken ist der Schmierstoff für die Aktienmärkte und das schon seit Jahren. Doch warum ist das so? Warum hängen die Börsen derart am Tropf der Notenbanken? Und bleibt das so?

Frankfurt/Main (dpa) - Börsianer im Kaufrausch - das ist ein bekanntes Bild in den vergangenen Jahren, wenn Notenbanken weiteres Geld in die Märkte pumpen. Dieses Mal entfacht die japanische Zentralbank ein weltweites Kursfeuerwerk mit ihrer Ankündigung, ihre Geldpolitik noch weiter zu lockern. Sie will unter anderem mehr Staatsanleihen kaufen als bisher.

Warum heizt die Geldflut den Aktienmarkt an?

Anlagenotstand - mit dem Wort beschreiben Experten die Situation seit Jahren. Denn die Schattenseite der Politik des extrem billigen Geldes der Notenbanken sind Mini-Zinsen, mit denen Kleinanleger bei klassischen Sparbüchern genauso konfrontiert sind wie die Großinvestoren bei Unternehmens- oder Staatsanleihen. Das treibt viele in die als riskanter geltende Investition in Form von Aktien.

Warum steigen die Kurse weltweit, wenn die japanische Notenbank ihre Geldpolitik lockert?

Ein Nebeneffekt der Geldflut in Japan ist, dass die Währung des Landes kräftig im Wert gefallen ist. „Die Investoren verschulden sich günstig in Yen und stecken das Geld beispielsweise in US-Aktien oder europäische Aktien“, erklärt Marktexperte Egmond Haidt von Feingold Research. „Denn die Investoren machen bei dem Geschäft auch noch Währungsgewinne.“

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