Falknerei: Eine 3500 Jahre alte Tätigkeit ist nun immaterielles Kulturerbe

Von Diana Niedernhöfer, dpa

Die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln war jahrhundertelang ein Privileg des Adels. Heute ist die Beizjagd vor allem ein Hobby. Doch Falkner haben auch im heutigen Leben ihren Platz. Zum Beispiel an Flughäfen.

Karlsruhe (dpa) - Falknerei: Wohl die meisten Menschen verbinden damit die spektakulären Greifvogel-Flugvorführungen auf Burgen oder in Freizeitparks. Doch die Beizjagd ist ein uraltes Jagdhandwerk, bei dem Falkner mit ihren abgerichteten Greifvögeln kleineres Wild wie Fasan oder Kaninchen jagen. Für die Mehrzahl der schätzungsweise 1500 Falkner in Deutschland ist die Beiz ein zeitaufwendiges Hobby. Seit dem vergangenen Jahr gehört die Falknerei zum immateriellen Kulturerbe - aber auch in der heutigen Zeit kann sie wichtige Aufgaben erfüllen.

Falkner fasziniert die besondere Nähe zur Natur und die Beziehung zu ihren Tieren. «Es ist die Möglichkeit, mit einem wilden Raubtier eine Beziehung auf Augenhöhe einzugehen», beschreibt Martina Kuhlmann aus Karlsruhe ihre Faszination für das Leben mit Greifvögeln. Kuno Seitz vom Deutschen Falkenorden (DFO) sagt: «Man taucht in die Natur ein, ist Teil von ihr und nicht nur bloßer Betrachter.» In Berlins Tiergarten jagt er mit seinem Habichtweibchen Johanna. «Beim gemeinsamen Jagen entsteht außerdem ein intensives Band zwischen Falkner und Greifvogel», ergänzt er.

Anders als der Name vermittelt, jagen Falkner auch mit anderen Vögeln als dem Falken, etwa mit Bussard oder Habicht. Letzterer ist bei den deutschen Falknern besonders beliebt, weil er vielseitig einsetzbar ist. Die Ausbildung dieser Tiere beruht auf positiver Verstärkung, also der Belohnung von erwünschtem Verhalten. Bestrafungen verstehen die Vögel nicht.

Nur wenige Menschen verdienen mit den Vögeln ihr täglich Brot. Martina und Pierre Kuhlmann gehören dazu. Das Paar betreibt in Karlsruhe eine «moderne Stadtfalknerei», wie es in ihrem Flyer heißt.

Sie sehen es als große Aufwertung ihrer Arbeit, dass die etwa 3500 Jahre alte Jagdform 2014 in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen worden ist. Ein Grund für die Aufnahme war, dass sich Abrichten, Jagd und dazugehörige Gerätschaften seit Jahrtausenden nicht verändert haben.

Es gibt auch Kritik an der alten Jagdform. So bemängelt etwa der Deutsche Tierschutzbund, dass die Tiere für die Freizeitgestaltung von Menschen in ihren natürlichen Bedürfnissen eingeschränkt werden. Doch die Falkner halten dagegen, dass sich die Vögel als Jäger auch in Freiheit nicht sehr viel bewegen, um ihre Kräfte zu schonen.

Die Kuhlmanns haben 17 Vögel. Da wären der neunjährige Wüstenbussard Chap, der als Tausendsassa überall eingesetzt werden kann, die zweijährige São-Tomé-Schleiereule Csilla, auf der große Arterhaltungshoffnungen ruhen, oder Weißkopfseeadler Franklin. Er stammt aus einer Nachzucht und verstärkt seit kurzem das tierische Team der Kuhlmanns. «Eine faule Socke», wie Pierre scherzt. Franklin ist erst ein paar Monate alt. Er sieht aber schon recht beeindruckend aus - auch wenn die markante weiße Haube noch fehlt.

Das Paar jagt mit seinen Vögeln im Auftrag von Firmen in deren Industrieanlagen Tauben. Mit dem «Vergrämen» sollen diese oder auch Krähen von bestimmten Orten im städtischen Raum oder von Flughäfen ferngehalten werden. Städte oder Unternehmen nutzen diese Möglichkeit, die Tiere mit ihren natürlichen Feinden zu bekämpfen.

Für den Naturschutzbund Deutschland (Nabu) sind Falkner außerdem ein wichtiger Partner beim Artenschutz. «Sie haben ein großes Fachwissen auf dem Gebiet der Greifvogelaufzucht», sagt Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. So gibt es etwa in Brandenburg mit einer Falknerei ein Nabu-Programm zum Erhalt des extrem seltenen Schreiadlers. Auch die Karlsruher Falknerei plant mit dem Heidelberger Zoo ein Programm für die fast ausgestorbene São-Tomé-Schleiereule.

Für die Hobbyjagd haben die Kuhlmanns gar keine Zeit mehr. Eine Auffangstation für kleine Turmfalken oder Bussarde hält die beiden so richtig auf Trab. Die Federbälle sind aus dem Nest gefallen, oder ihre Elterntiere sind verschollen. Die Kuhlmanns päppeln die Kleinen auf und suchen dann Artgenossen, die sie als Pflegeeltern auf ein Leben in Freiheit vorbereiten - meist in einem der von ihnen betreuten Nistkästen.

Klassische Flugshows bieten sie nicht an: «Die sind zwar spektakulär, aber Menschen kommen mit den Tieren nicht in Berührung», sagt Martina. Wer die Tiere aber hautnah erleben will, kann einen Falknertag buchen.

(Bild: Volker Röös/pixelio.de)



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