„Extrempraktikant“ im Funpark: Geschäftsidee für Action im Auftrag anderer

Interview: Matthias Röder, dpa

In seinem Lebenslauf hat Benedikt Jörg nun einen ungewöhnlichen Eintrag: «Extrempraktikant». Das bedeutete weder Hungerlohn noch Kaffeekochen, sondern Action und Spaß.

Ötz (dpa) - Der 20-jährige Österreicher Benedikt Jörg hat einen Ferienjob der anderen Art hinter sich. Als sogenannter Extrempraktikant tobte er sich in einem Freizeit- und Funpark im Tiroler Ötztal aus - im Auftrag von Menschen, die sich selbst nicht trauten oder aus anderen Gründen nicht zur Area 47 kommen konnten. Für sie ließ er sich von einem riesigen Luftkissen ins Wasser katapultieren, rauschte mit einem Bob über eine Wasserschanze oder kämpfte sich beim Canyoning durch Gebirgsbach-Schluchten. Dabei filmte er sich. Die Videos posteten viele seiner Auftraggeber bei Facebook. «In diesem Sommer waren sehr viele neidisch auf mich», sagte Jörg zum Abschluss des Praktikums im dpa-Interview.

Frage: Wie sind Sie zu dem Praktikum gekommen?

Antwort: Ich mache viel Sport, bin sehr guter Skifahrer, Schwimmer, Radfahrer. Der Praktikant sollte auch gut mit Foto und Video umgehen können. Das kann ich. Eine ideale Kombination. Es gab noch etwa 40 andere Bewerber.

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Demografie frisst Mittelstand: Unternehmensnachfolger dringend gesucht

Die Firmenlenker im deutschen Mittelstand altern. Das bremst nach einer Studie der KfW die Investitionstätigkeit. Zwar macht sich bereits jeder sechste Mittelständler Gedanken über eine Nachfolge. Doch zu wenige Jungunternehmer rücken nach.

Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Mittelstand braucht nach einer Studie dringend nachrückende Jungunternehmer. Denn das hohe Alter vieler Firmenlenker wird schon bald zu einem einschneidenden Generationenwechsel an der Spitze deutscher Mittelständler führen, wie die Förderbank KfW am Donnerstag in Frankfurt berichtete. Nach der Analyse des Instituts planen bis 2017 die Chefs von rund 580 000 mittelständischen Firmen die Übergabe oder den Verkauf an einen Nachfolger. „Das ist jeder sechste Mittelständler in Deutschland. Etwa vier Millionen Arbeitsplätze hängen vom Gelingen dieser Unternehmensnachfolgen ab“, betonte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Dieser Alterungsprozess habe erhebliche Folgen. Laut KfW-Analyse ziehen sich Unternehmenschefs mit steigendem Alter aus Investitionen zurück, zudem lasse die Innovationstätigkeit nach. „Je länger die Phase der Zurückhaltung dauert, desto stärker sinken möglicherweise die Ertragskraft und die Wettbewerbsfähigkeit“, schreibt KfW-Expertin Juliana Gerstenberger in ihrer Analyse. Dies könne potenzielle Übernahmeinteressenten abschrecken oder einen möglichen Kaufpreis drücken. Damit könne eine negative Spirale in Gang gesetzt werden: „Der Fortbestand des Unternehmens sowie die daran gekoppelten Arbeitsplätze wären schlimmstenfalls gefährdet.“

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Von Lindau ins Silicon Valley

Von Bettina Grachtrup, dpa

Er war Pate bei der Gründung von Google: Der deutsche Unternehmer Andreas («Andy») von Bechtolsheim gehört heute zu den ganz Großen im kalifornischen Silicon Valley - und gibt sich dennoch bescheiden.

Palo Alto (dpa) - Der Mann auf dem Podium bittet um Verständnis. «One second», murmelt er und versucht, seine Präsentation zum Laufen zu kriegen. Bei den Zuhörern im Saal macht sich Heiterkeit breit. Denn es ist ausgerechnet Andreas von Bechtolsheim, der hier mit den Tücken der Technik kämpft. Der 59 Jahre alte, schlaksige Mann mit den grauen Haaren und dem etwas blassen Gesicht ist nicht nur ein ausgewiesener Computerexperte - er ist auch einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer in den USA. Das New Yorker Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Vermögen auf rund vier Milliarden US-Dollar.

Äußerlich anzusehen ist ihm das alles nicht. Andreas von Bechtolsheim, den alle hier «Andy» nennen, trägt eine dunkelblaue Jeans, ein hellblaues Hemd und braune Schuhe. Er gestikuliert viel und tritt ruhig, beinahe zurückhaltend, auf. In Deutsch mit einem leichten amerikanischen Akzent erzählt er, was ihn vor rund 40 Jahren in die USA trieb und was seiner Ansicht nach das kalifornische Silicon Valley ausmacht.

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Germanwings-Tragödie wirft Schatten auf das Piloten-Image

Von Christoph Driessen, dpa

Piloten - das waren bisher absolute Vertrauenspersonen, „Helden der Lüfte“. Der Copilot des fatalen Germanwings-Fluges könnte dieses Bild erschüttert haben. Experten machen den Piloten jedoch Mut.

Köln (dpa) - Das ist der Stoff, aus dem Hollywood-Filme sind: Am 15. Januar 2009 fallen kurz nach dem Start in New York die Triebwerke eines Airbus aus. Der Tower will die Maschine noch umleiten, doch Pilot Chesley Sullenberger erkennt sofort, dass eine Notwasserung die einzige Rettung ist. Mit kühlem Kopf setzt er seinen Airbus A320 auf der glitzernden Oberfläche des Hudson auf. Als ihm einer der Passagiere überschwänglich dankt, lächelt er nur und sagt: „Gern geschehen.“

So soll er sein, der Pilot: Ein Held der Lüfte. Doch nun stellt sich die Frage, ob dieses Bild durch den Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine auf Dauer beschädigt ist.

„Piloten sind historisch gesehen Heldenfiguren - und absolute Vertrauenspersonen“, meint der Berliner Historiker Tilmann Siebeneichner, der die Kulturgeschichte des Weltraums erforscht. „Luftfahrt funktioniert so, dass man sein Leben in die Hände des Piloten gibt in dem Vertrauen, dass er einen sicher ans Ziel bringen wird und die Technik dafür absolut im Griff hat.“ Bezeichnungen wie „Flugkapitän“ und „Erster Offizier“ senden zusammen mit den dunkelblauen Uniformen die Botschaft aus: Das hier sind nicht irgendwelche Dienstleister, sondern Menschen mit besonderer Autorität und Verantwortung.

Alles an ihrem Auftreten soll Sicherheit und Normalität ausstrahlen - bis hin zum typischen Piloten-Sprech beim Durchgeben von Flughöhen und Wetterdaten an die Passagiere: dieses Nuscheln, dieses in die Länge Ziehen von einzelnen Wörtern, diese Pausen an Stellen, wo man sie eigentlich nicht erwarten würde - all das gehört mit zum Bord-Ritual.

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SVR-Studie: Deutschland wird zum Auswanderungsland

Weit über drei Millionen Deutsche gelten als Auswanderer, weil sie dauerhaft im Ausland leben. Die meisten von ihnen haben gute Bildungsgrundlagen, um dort ihre Berufsziele zu verwirklichen.

Berlin/Paris (dpa) - Wer Deutschland für längere Zeit oder für immer den Rücken kehrt, tut dies meist gut vorbereitet: Etwa jeder dritte deutsche Auswanderer hat einen Studienabschluss vorzuweisen, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem am Montag veröffentlichten Report «Talente im Ausland» feststellt.

«Das Bildungsniveau der Auswanderer ist hoch und steigt in der Tendenz sogar noch an», heißt es in der Studie. «1,4 Millionen von ihnen haben Abitur und/oder Berufsausbildung, weitere 1,2 Millionen verfügen über ein abgeschlossenes Studium.» 46 000 deutsche Emigranten hatten laut Report sogar einen Doktortitel.

Nach den derzeit aktuellsten OECD-Zahlen lebten 2011 etwa 3,4 Millionen Deutsche in einem anderen OECD-Land, die meisten davon in den USA (rund 1,1 Millionen), Großbritannien und der Schweiz (je 270 000). Damit stellte Deutschland die fünftgrößte Auswanderergruppe in der OECD hinter Mexiko, Großbritannien, China und Indien. Mit 140 000 Emigranten sei die jährliche Auswanderung aus Deutschland in jüngster Zeit «auf hohem Niveau stabil», hieß es.

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Traumjob für Lebensmittel-Experten: Professioneller Biertester

Von Kathy Stolzenbach, dpa

Jährlich untersuchen Lebensmittel-Experten 800 verschiedene Biersorten aus dem In- und Ausland. Über die Qualität entscheidet mehr als Geruch und Geschmack.

Köln (dpa) - Fritz Jacob ist Bierkenner. Das mag mancher Kneipengänger von sich behaupten, doch die wenigsten dürften so viele Biere probiert haben wie der 59-Jährige. Seit 30 Jahren testet Jacob täglich zehn bis zwölf verschiedene Sorten. Jacob ist Brauingenieur und leitet das Forschungszentrum Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität, das für die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) Biere untersucht und bewertet.

Jährlich senden Brauereien aus dem In- und Ausland rund 800 Bierproben an die DLG. Sie müssen das Reinheitsgebot erfüllen - also ausschließlich Hopfen, Malz, Hefe und Wasser verwenden.

Die Qualitätskontrolle ist freiwillig, aber auch im Ausland sehr beliebt: „Das Prüfsiegel hat auch international einen hohen Stellenwert. Im Ausland weiß man um die Qualität deutschen Bieres“, sagt Diedrich Harms von der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB). Die VLB testet ebenfalls Biere für die DLG.

Zehn Prozent der Brauereien, die ihre Proben einschicken, stammen aus dem Ausland - etwa aus den USA, China oder Afrika. „In China gilt es als Statussymbol, deutsches Bier zu trinken“, sagt Harms. Aber auch bei den einheimischen Produkten setze man auf deutsche Qualitätsstandards - im Idealfall zertifiziert.

„Unsere Prüfungsbedingungen sind sehr streng“, sagt Harms. 20 Prozent der eingereichten Biere erfüllen die Kriterien nicht und fallen durch die Prüfung. Doch es gibt eine gute Nachricht für die Verbraucher: Immerhin die Hälfte erreicht bei den Tests höchste Punktzahlen und wird mit einem goldenen DLG-Siegel prämiert.

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