Deutscher Lehrerpreis soll Motivation von Pädagogen steigern

Von Werner Herpell, dpa

Der Deutsche Lehrerpreis würdigt ein gutes Dutzend Pädagogen - stellvertretend für viele andere. Aber auch als Motivationshilfe in einem Beruf, dessen Bedeutung größer und dessen Image besser wird. Drei typische Beispiele.

Berlin (dpa) - Ein bekannter Romanautor, der seine Leidenschaft für Literatur auf die Schüler überträgt. Eine Realschulpädagogin, die in ihrer Freizeit bei Mathe hilft, obwohl sie das Fach gar nicht unterrichtet. Und ein Geschichtslehrer, der «genau den richtigen Ton für erwachsene Menschen fand, die noch einmal zurück zur Schule kamen». Das sind 3 von 13 Musterpädagogen, die am Montag in Berlin den Deutschen Lehrerpreis 2015 erhalten haben.

CHRISTOPHER ECKER (Schleswig-Holstein): Es gibt nicht allzu viele noch voll aktive Lehrer in Deutschland mit eigenem Wikipedia-Eintrag. Der 48-Jährige aus Heikendorf bei Kiel ist so einer. Denn Ecker ist nicht nur Lehrer für Deutsch und Philosophie am dortigen Gymnasium Heinrich-Heine-Schule, sondern auch ein bekannter Schriftsteller. Für sein literarisches Werk und speziell den Roman «Fahlmann» (2012) erhielt er dieses Jahr den renommierten Friedrich-Hebbel-Preis.

Nun also auch noch der Deutsche Lehrerpreis 2015. «Das Schöne ist, dass er die andere Seite meines Daseins auszeichnet, die in der Öffentlichkeit eher unbemerkt bleibt», sagt Ecker im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Weil ich beide Seiten gleichermaßen wichtig finde und sie sich auch gegenseitig guttun.»

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Personalführung: Bosch geht von Individualzielvereinbarungen ab

Wer einen Spitzenjob macht, soll mit einer Extra-Geldspritze belohnt und zu weiterer Höchstleistung angestachelt werden - so das Grundprinzip von Boni. Doch dieses Konzept wackelt. Geld sei ein schlechter Motivator, sagen Experten - und ein deutscher Großkonzern.

Stuttgart (dpa) - Ego war gestern, künftig geht es ums Kollektiv: So lässt sich ein Trend in der deutschen Wirtschaft zusammenfassen, der nach Expertenmeinung die bisherige Praxis der Boni-Systeme verändern könnte. Statt bei der Sondervergütung auf individuelle Ziele zu setzen, werden Extrazahlungen an einer Gemeinschaftsleistung gemessen - dies kann ein Geschäftsbereich sein oder die gesamte Firma. Der Technologiekonzern Bosch geht hier als erster deutscher Großkonzern voran, ab 2016 sind individuelle Boni für Führungskräfte dort Geschichte.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sieht man beim Thema Vergütung von Fach- und Führungskräften seit einigen Jahren einen Trend vom Individuellen zum Kollektiven. «Großunternehmen und Mittelständler denken über die Weiterentwicklung ihrer Vergütungssysteme nach - sie merken, die herkömmlichen Systeme haben Grenzen», sagt DGFP-Gesellschaftsführerin Katharina Heuer. Vergütung sei zwar die Grundlage für gute Mitarbeit und Zusammenarbeit – «aber mehr Geld führt nicht unbedingt zu mehr Motivation und Leistung», sagte die Expertin.

Die Zeiten, in denen Mitarbeiter ihren beruflichen Erfolg über Geld und Karriere definierten, seien längst vorbei, sagt Heuer. «Heute wollen Mitarbeiter erfahren, dass ihre Arbeit Sinn macht, nachhaltig ist und wertgeschätzt wird.» In einer digitalen und virtuellen Arbeitswelt werde die Messung der individuellen Leistung und damit des individuellen Erfolgs immer schwieriger, sagt Heuer. Die Leistung von Teams, Bereichen und des gesamten Unternehmens sei hingegen leichter messbar – zum Beispiel an fertigen Produkten, Verkaufszahlen und schließlich dem damit erbrachten Umsatz.

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Lukrativ und risikoreich: 32-Jähriger nach CIA-Karriere vor Gericht

Von Christoph Trost, dpa

Nur Bleistifte sind erlaubt: Unter großen Sicherheitsvorkehrungen beginnt der Prozess gegen einen Ex-BND-Mitarbeiter. Gleich zu Beginn räumt der 32-Jährige eine Spitzel-Tätigkeit für den US-Geheimdienst CIA ein: «Da konnte man sich beweisen.» Handelte er nur aus Frust?

München (dpa) - James Bond ist anders. Der junge Mann, der sich seit Montag wegen Landesverrats vor dem Oberlandesgericht München verantworten muss, hat so gar nichts gemein mit dem britischen Geheimagenten. Randlose Brille, blau-weißes Hemd, schüchterner Blick, nervös bis in die letzte Faser seines Körpers: So präsentiert sich der ehemalige Büro-Angestellte des Bundesnachrichtendienstes (BND), als er von Polizisten in den Saal geführt wird. Seine Hände faltet er vor sich auf dem Tisch zusammen. Nur ab und an, wenn ihn seine Anwälte oder nachher der Richter ansprechen, lächelt er kurz.

Doch so unscheinbar, nervös und schüchtern der 32-Jährige auch wirkt, die Anklage hat es in sich: Die Bundesanwaltschaft wirft ihm Spionage für den US-Geheimdienst CIA sowie für den russischen Geheimdienst vor, konkret: Landesverrat, die Verletzung von Dienstgeheimnissen und Bestechlichkeit. Auf Landesverrat steht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr, in besonders schweren Fällen sogar lebenslang.

Die Anklageschrift liest sich tatsächlich wie das Drehbuch eines mittelprächtigen Spionage-Thrillers: Unter dem Decknamen «Uwe» soll der Angeklagte seinem US-Verbindungsmann «Alex» über Jahre hinweg geheime Dokumente und Informationen übermittelt haben, und zwar «auf verborgenen und verschlüsselten elektronischen Wegen». Im Mai 2012 habe die CIA ihren Spitzel sogar mit einem Notebook ausgestattet, mit einem verschlüsselten Kommunikationsprogramm. Das machte die Sache noch einfacher. Am Ende versandte er geheime Dokumente nahezu im Wochenrhythmus. Darunter war offenbar auch eine streng geheime Liste mit Decknamen und echten Identitäten deutscher Agenten im Ausland.

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Geschwister-Studie: Persönlichkeitsstruktur kaum von Reihenfolge der Geburten bestimmt

Leipzig (dpa) - Die Persönlichkeit erwachsener Geschwister wird nach Forscherangaben nicht von der Reihenfolge ihrer Geburten bestimmt. Wie emotional, extrovertiert oder gewissenhaft ein Mensch ist, sei völlig unabhängig von der Position als Erstgeborener, Sandwichkind oder Nesthäkchen. Lediglich «winzig kleine Unterschiede beim Intellekt» habe sie zusammen mit Kollegen in einer Studie festgestellt, sagte die Psychologin Julia Rohrer von der Universität Leipzig der Deutschen Presse-Agentur. Dass Erstgeborene im Durchschnitt ein klein wenig schlauer sind als ihre jüngeren Geschwister, war auch schon vorher gezeigt worden.

Der in der Laienpsychologie verbreitete Glaube, die Reihenfolge der Geburten forme den Charakter, gehe insbesondere auf den US-Psychologen Frank Sulloway zurück, erklärte Rohrer. Er publizierte 1996 mit «Born to Rebel» («Der Rebell der Familie») eine Theorie, derzufolge Kinder in der Familie verschiedene Nischen besetzen. Erstgeborene sah Sulloway zum Beispiel als perfektionistisch an, mittlere Kinder als sozial, Nesthäkchen als Rebellen. In der Wissenschaft sei die Theorie aber umstritten gewesen, meinte die Forscherin.

Mit Kollegen aus Leipzig und Mainz wertete sie Daten dreier fundierter Untersuchungen mit insgesamt mehr als 20 000 Teilnehmern in den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Deutschland aus. Das Team wollte prüfen, ob die Geschwisterposition für den Lebenslauf einen dauerhaften Unterschied macht. Diese Frage beschäftige Forscher schon seit dem 19. Jahrhundert, schreibt das Team in den «Proceedings» der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

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IT-Karrieren bleiben immer noch vorwiegend Männersache

Berlin (dpa) - Was lassen sich die großen Tech-Unternehmen in den USA nicht alles einfallen, um ihren Mitarbeiterinnen eine steile Karriere zu erleichtern. Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen. IBM übernimmt den Transport abgepumpter Muttermilch zum Nachwuchs, wenn die Mutter dienstlich unterwegs ist. Zwar gibt es in einigen Chefetagen mächtige Vorzeigefrauen wie Sheryl Sandberg (Facebook), Marissa Mayer (Yahoo) oder Susan Wojcicki (YouTube) doch das Silicon Valley ist nach wie vor eine Domäne weißer Männer - und in Deutschland sieht es auch nicht besser aus.

Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom beträgt der Frauenanteil in der deutschen Technologiebranche 15 Prozent. Beim Nachwuchs sind die Männer ebenfalls in der Mehrheit. Im Dezember 2014 lag der Anteil der Frauen bei den IT-Auszubildenden bei acht Prozent. Etwas ausgewogener ist es beim Informatik-Studium: Im Wintersemester 2014/2015 waren immerhin 23 Prozent der Studienanfänger weiblich.

In Berlin und Bremen gibt es sogar Informatik-Studiengänge nur für Frauen, um diese mehr für IT-Berufe zu begeistern. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass an Mädchenschulen ein größeres technisches Selbstbewusstsein entwickelt wird», erklärt Professorin Gerlinde Schreiber von der Hochschule Bremen. «In einem Frauenstudiengang herrscht eine andere Atmosphäre, bei uns kann man alles fragen und man muss keine Angst haben, sich zu blamieren.»

Frauen schätzten ihre technische Kompetenz defensiver ein als Männer. Sie seien zurückhaltender in der Selbstdarstellung und haben leichter Zweifel. Es sei für viele «unsexy», als junge Frau gut in Physik und Informatik zu sein. Das passe nicht zu der Geschlechterwahrnehmung, erklärt sie. «Es sind einfach Männerdisziplinen.» Umso wichtiger sei es, dass Frauen wie Sandberg (49) und Mayer (40) als Vorbilder fungieren. «Das ist ein tolles Signal». Die Frauen könnten erfolgreich Karriere machen und verkörperten dennoch Weiblichkeit.

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Falknerei: Eine 3500 Jahre alte Tätigkeit ist nun immaterielles Kulturerbe

Von Diana Niedernhöfer, dpa

Die Jagd mit abgerichteten Greifvögeln war jahrhundertelang ein Privileg des Adels. Heute ist die Beizjagd vor allem ein Hobby. Doch Falkner haben auch im heutigen Leben ihren Platz. Zum Beispiel an Flughäfen.

Karlsruhe (dpa) - Falknerei: Wohl die meisten Menschen verbinden damit die spektakulären Greifvogel-Flugvorführungen auf Burgen oder in Freizeitparks. Doch die Beizjagd ist ein uraltes Jagdhandwerk, bei dem Falkner mit ihren abgerichteten Greifvögeln kleineres Wild wie Fasan oder Kaninchen jagen. Für die Mehrzahl der schätzungsweise 1500 Falkner in Deutschland ist die Beiz ein zeitaufwendiges Hobby. Seit dem vergangenen Jahr gehört die Falknerei zum immateriellen Kulturerbe - aber auch in der heutigen Zeit kann sie wichtige Aufgaben erfüllen.

Falkner fasziniert die besondere Nähe zur Natur und die Beziehung zu ihren Tieren. «Es ist die Möglichkeit, mit einem wilden Raubtier eine Beziehung auf Augenhöhe einzugehen», beschreibt Martina Kuhlmann aus Karlsruhe ihre Faszination für das Leben mit Greifvögeln. Kuno Seitz vom Deutschen Falkenorden (DFO) sagt: «Man taucht in die Natur ein, ist Teil von ihr und nicht nur bloßer Betrachter.» In Berlins Tiergarten jagt er mit seinem Habichtweibchen Johanna. «Beim gemeinsamen Jagen entsteht außerdem ein intensives Band zwischen Falkner und Greifvogel», ergänzt er.

Anders als der Name vermittelt, jagen Falkner auch mit anderen Vögeln als dem Falken, etwa mit Bussard oder Habicht. Letzterer ist bei den deutschen Falknern besonders beliebt, weil er vielseitig einsetzbar ist. Die Ausbildung dieser Tiere beruht auf positiver Verstärkung, also der Belohnung von erwünschtem Verhalten. Bestrafungen verstehen die Vögel nicht.

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