IWF zittert vor Trump und will durch Welthandel Afrika aufbauen

Von Michael Donhauser, dpa

Handel bedeutet Wachstum, und Wachstum bedeutet ein besseres Leben - auch für die Hungernden in Afrika: Der IWF glaubt weiterhin an den weltweiten Nutzen von Globalisierung - und hat Angst vor den Protektionisten im Schlepptau von Donald Trump.

Washington (dpa) - Die Bilder sind schwer zu ertragen: Hungernde Kinder, klagende Mütter - und kaum Aussicht auf Besserung. Im Südsudan, Jemen, Teilen von Kenia und Nigeria droht vor allem Kinder der Hungertod, weil eine Dürre die Ernten vernichtet hat und Nachschub nicht schnell genug die Menschen erreicht.

Das Thema beschäftigt auch den Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington. Ursache für die humanitäre Katastrophe ist eine Mixtur aus wirtschaftlichen und politischen Problemen. Und letztere sind in den Entwicklungsländern nicht nur selbst gemacht. Der IWF zeigt mit dem Finger auch auf Donald Trump, den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, der sich zu einer Abschottungspolitik bekennt.

Verbunden mit den Vorwürfen ist ein leidenschaftlicher Appell: Lasst uns die Schraube der Globalisierung nicht zurückdrehen! Globalisierung sei es, was die Welt den Millenniumszielen ein gutes Stück nähergebracht habe: Bekämpfung von Hunger, Kindersterblichkeit und extremer Arbeit. Die Möglichkeit, mit fortschrittlichem wirtschaftlichen Handeln in Entwicklungsländern den Grundstein für einen Aufschwung zu legen - eine Art Hilfe zur Selbsthilfe, abseits von punktuellem Brunnenbau und Ackerbewässerung.

Den Millenniumszielen kam die Weltgemeinschaft bis zur selbstgesteckten Deadline 2015 ein gutes Stück näher, für 2030 gibt es neue, ehrgeizige Entwicklungsziele. Ob sie erreicht werden können, hängt nach Meinung der Wirtschaftsexperten in Washington auch von der Wirtschaftspolitik führender Industrienationen, speziell der USA ab. Das Credo: Wenn große Industrienationen sich mit Blick auf ihr eigenes Wohl abkapseln, dann können die armen Länder nicht mehr vom großen Kuchen mitessen.

Die Gleichung, die die Volkswirte des IWF aufmachen, ist verhältnismäßig einfach: Wachstum beim Welthandel führt zu weltweitem Wirtschaftswachstum. Wachstum bedeutet Wohlstand, auch in Entwicklungsländern. Dass es zu Verteilungsproblemen kommt und die Rechnung somit nicht immer aufgeht, räumt der IWF ein.

Doch Chefvolkswirt Maurice «Maury» Obstfeld sagt auch: «Unsere Sicht auf die Globalisierung ist ziemlich klar: Wir glauben, dass der weltweite Handel eine wichtige Antriebsfeder für Wachstum ist. Er hat Millionen aus der Armut geholt.» Obstfeld spricht sogar von Wirtschaftswundern in manchen Ländern. «Einige haben jetzt den Status von Hochlohnländern.»

Worte, die auch ans Weiße Haus gerichtet sind. US-Präsident Trump ist mit seiner «America First»-Politik eines der größten Risiken für den Welthandel - und dessen Wachstum ist ohnehin bescheiden geworden. Im vergangenen Jahr stieg das Handelsvolumen nur noch um 2,2 Prozent, wie der IWF in seinem Weltwirtschaftsbericht auswies. Im laufenden Jahr sollen es immerhin wieder 3,8 Prozent werden.

Die Wachstumszahlen zeigen: Das reicht nicht. Die Wirtschaftsleistung in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara wächst mit 2,6 Prozent im laufenden Jahr und 3,5 Prozent im nächsten Jahr weniger schnell als die Weltwirtschaft insgesamt. Im Klartext: Afrika fällt weiter zurück. Ein Handelswachstum von deutlich mehr als fünf Prozent wäre nötig, um ein Wirtschaftswachstum zu kreieren, das mit dem Bevölkerungswachstum mithält.

Nur dann können Entwicklungsländer erfolgreich Armut bekämpfen und Fortschritte erzielen. Und genau dort setzen derzeit die Befürchtungen an. Die USA als größte Volkswirtschaft der Welt denken vor allem - so der Vorwurf - an sich und nicht mehr global, wenn sie das Handelsvolumen - etwa über den Rückzug aus internationalen Abkommen - hemmen. Und sie setzen damit ein Beispiel. In Frankreich werden ebensolche Tendenzen befürchtet, sollte sich bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl die Rechtspopulistin Marine Le Pen durchsetzen.

IWF-Chefvolkswirt Obstfeld meint Donald Trump, wenn er sagt: «Ein besserer Ansatz, als den Handel abzuwürgen oder ihn deutlich zu reglementieren, ist es, mit ihm zu arbeiten.» Gleichzeitig müsse aber sichergestellt werden, dass diejenigen, die nicht davon profitieren, nicht außen vor bleiben. Das ist Donald Trumps Ansatz. Den arbeitslosen Industriearbeitern in Texas, Wisconsin oder Pennsylvania sei es schwer beizubringen, dass die von ihnen gebrachten Opfer den Hunger in Afrika bekämpfen helfen.

(Bild: Erich Westendarp/pixelio.de)