Auch Zusammenschlüsse stellen kein Allheilmittel in der Stahlbranche dar

Von Erik Nebel, dpa-AFX, und Uta Knapp, dpa

Bis heute hat sich die Stahlindustrie in Europa nicht von den Folgen der Finanz-Wirtschaftskrise 2008 erholt. Zahlreiche Werke schreiben tiefrote Zahlen. Nun wird heiß über Zusammenschlüsse diskutiert. Ist das die Lösung für die Probleme der Branche?

Essen (dpa) - Die Gerüchte werden konkreter. Thyssenkrupp und der indische Stahlkonzern Tata sprechen nach Informationen der «Rheinischen Post» auf höchster Ebene über einen Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten. Beide Unternehmen dementieren das nicht, wollen sich aber auch nicht dazu äußern. Vielmehr betont Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger erneut, dass sein Unternehmen eine aktive Rolle bei der erwarteten Konsolidierung spielen möchte. Ob eine große Fusion den erhofften Befreiungsschlag bringt, ist aber zweifelhaft.

Warum kommt die Branche seit Jahren nicht voran?

Weltweit ist Stahl im Überfluss vorhanden. Das drückt auf die Preise. In Europa kämpft die Branche schon seit der Finanzkrise 2008 und dem Platzen der Immobilienblase in vielen südlichen Ländern mit Überkapazitäten. Denn seitdem werden viele Anlagen gerade in Südeuropa nicht mehr gebraucht.

Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Dramatisch verschärft hat sich die Lage, seitdem in China das Wirtschaftswachstum schwächelt. Das Land ist in den vergangenen 15 Jahren zum mit Abstand größten Stahlhersteller der Welt aufgestiegen. Doch braucht es einen großen Teil seiner Produktion nicht mehr und versucht, diesen auf dem Weltmarkt loszuwerden. Europäische Hersteller sehen darin Preisdumping - denn China-Stahl könne in Europa auch wegen der hohen Transportkosten nicht kostendeckend angeboten werden. Zuletzt entspannte sich die Lage ein wenig, nachdem die EU erste Schutzzölle eingeführt hat.

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Hotellerie: Konzentrationstendenzen im Angesicht der Konkurrenz durch Airbnb

Von Hannes Breustedt, dpa

Die US-Schwergewichte Marriott International und Starwood wollen sich zum weltgrößten Hotelkonzern zusammenschließen. Der Weg zur Fusion war holprig, und die Zukunft könnte es auch werden. Es gibt harte Konkurrenz - vor allem ein Start-up mischt die Branche auf.

Stamford/Bethesda (dpa) - Nach turbulenten Wochen mit einem milliardenschweren Wettbieten ist der US-Hotelriese Marriott International am Ziel. Mit dem Jawort der Aktionäre steht der Hochzeit mit Starwood Hotels zur weltweiten Nummer Eins nichts mehr im Wege. Mariott-Chef Arne Sorenson bedankte sich am Freitag für das Vertrauen der Investoren und sprach von einem «Meilenstein».

Die Mega-Fusion, die Mitte 2016 abgeschlossen werden soll, könnte jedoch ein Zeichen mehr sein, dass die Branche nach etlichen Jahren mit brummenden Geschäften bald Abstriche machen muss. Analysten sehen verschiedene Risiken für die Hotel-Industrie, darunter das rasante Wachstum eines Rivalen, der trotz seines Status als Underdog die meisten Betten im Angebot hat: Airbnb.

Mit einem gemeinsamen Börsenwert von etwa 30 Milliarden Dollar (26,2 Mrd Euro), mehr als 5500 Hotels und über einer Million Betten würden Marriott und Starwood ihren schärfsten Wettbewerber Hilton deutlich hinter sich lassen. Gemeinsam bringen es die Unternehmen auf 30 Hotelmarken.

Marriott mit Sitz in Bethesda im US-Staat Maryland machte im vergangenen Jahr etwa 14 Milliarden Dollar Umsatz und bringt diverse Ketten wie Ritz-Carlton, Rennaissance oder Courtyard in die Fusion ein. Starwood aus Stamford, Connecticut, steuert unter anderem Le Meridien, Westin oder Sheraton bei.

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Frachtschifffahrt: Containerriesen bringen Werften an ihre Grenzen

Von Eckart Gienke, dpa

Die Entwicklung zu immer größeren Containerschiffen ist anscheinend nicht zu stoppen. Doch die Containerriesen schaffen mehr Probleme als sie lösen. Mit dem schwächeren Warentransport zwischen Europa und Fernost nehmen die wirtschaftlichen Risiken der Schiffe weiter zu.

Hamburg (dpa) - Wer braucht eigentlich riesige Containerschiffe? Die Reeder? Ihre Kunden? Die Verbraucher? Die Häfen? Alles falsch. «Den Nutzen haben allein drei Großwerften in Korea, drei niederländisch-belgische Baggerunternehmen und ein dominierender Hersteller von Containerbrücken in China», sagt Ulrich Malchow, Professor für Maritime Economics an der Hochschule Bremen. Die vermeintlichen Kostenvorteile größerer Schiffe für die Reedereien gingen immer mehr gegen Null und würden mehr als ausgeglichen von längeren Liegezeiten in den Häfen.

Malchow ist ein bekannter Kritiker des Zustandes am Ende einer langen Entwicklung, die zwingend und unausweichlich schien, seitdem der Frachtcontainer vor mehr als 50 Jahren seinen Siegeszug antrat. Mit der Globalisierung, dem Wachstum des Welthandels und dem technischen Fortschritt entwickelten sich die Containerschiffe zu wahren Giganten. Vor 30 Jahren war die «Frankfurt Express» von Hapag-Lloyd das erste Schiff, das mehr als 3000 Standardcontainer (TEU) tragen konnte. Das galt damals als erstaunlich. Ihre heutigen Nachfolger heißen «CSCL Globe», «UASC Barzan» oder «MSC Zoe» und schaffen die sechsfache Menge, ungefähr 19 000 TEU. Immer kostengünstiger, so das Kalkül, werde so der Transport des einzelnen Containers.

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Schwellenländer wenden sich von Dollar als Leitwährung ab

Von Tobias Schmidt, dpa-AFX

Den Wert der eigenen Währung an den US-Dollar binden: So einfach war Geldpolitik für viele Schwellenländer über Jahrzehnte. Doch damit ist es vorbei. Zu groß ist der Druck des Marktes und Spekulanten machen alles noch schlimmer. Immer mehr Länder ziehen die Notbremse.

Frankfurt/Main (dpa) - Seit Jahrzehnten koppeln viele Schwellenländer ihre heimischen Währungen an den US-Dollar. Doch inzwischen springen immer mehr von ihnen ab, weil die starke US-Währung sie zunehmend unter Druck setzt. Diese Woche hat Ägypten die Notbremse gezogen und seine Währung massiv abgewertet. An den Finanzmärkten wird schon über die nächsten Kandidaten spekuliert. Wichtige Ölexportländer stehen besonders im Visier. Das wichtigste Schwellenland China verspricht unterdessen, den Wert der eigenen Währung zu verteidigen.

Die Notenbank in Kairo hingegen will nicht mehr mit dem starken US-Dollar mithalten und ließ das ägyptische Pfund drastisch abwerten. In kürzester Zeit büßte die Währung zum Dollar etwa 13 Prozent an Wert ein. Zudem kündigte die Notenbank an, den Wechselkurs künftig flexibler zu handhaben. «Unsere Entscheidung wird Ägypten in die Länder mit hocheffektiven und transparenten Wechselkurssystemen einreihen», begründeten die Experten den Schritt. Die Orientierung am Dollar - ein Modell von gestern?

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Deutschland: Bundeswehr als diskriminierungsfreier Raum für deutsche Muslime

Berlin (nex) – Wie viele Muslime derzeit in der Bundeswehr ihren Dienst absolvieren, ist nicht bekannt. Soldaten steht es frei, ihre religiöse Zugehörigkeit anzugeben, das bedeutet aber auch, dass manche dies nicht tun und auf diese Weise statistisch nicht erfassbar sind. Noch Anfang 2014 schätzte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime (ZDM), Aiman Mazyek, die Zahl der muslimischen Soldaten in der Bundeswehr auf 1600. Vier Jahre zuvor hatte die „Welt“ von etwa 1000 geschrieben. In jedem Fall wirft die Frage nach der Zahl der muslimischen Soldaten technische Fragen auf wie jene nach der Institutionalisierung einer eigenen Militärseelsorge, die nicht selten an den Unklarheiten über die richtigen Ansprechpartner oder an Schwierigkeiten bezüglich möglicher Partner für staatskirchenrechtliche Vereinbarungen scheitern. Auch spielen Fragen eine Rolle wie jene nach der Gewährleistung einer schweinefleischfreien Ernährung, Gelegenheiten zu ritueller Waschung oder zur Verrichtung der Gebete.

Die „Stuttgarter Zeitung“ hat kürzlich dem Alltag von Muslimen in der Bundeswehr eine längere Reportage gewidmet. Sie schildert Eindrücke vom täglichen Leben muslimischer Soldaten aus Baden-Württemberg, aber im Grunde illustriert sie, dass die zunehmend multireligiöse Note in der Bundeswehr die Truppe vor keine nennenswerten Schwierigkeiten stellt und sogar in vielen Bereichen eine Vorbildwirkung zu entfalten vermag. Die Bundeswehr, so berichten alle von der „Stuttgarter Zeitung“ befragten muslimischen Soldaten, hätte sich sehr gut auf die multireligiöse Basisverbreiterung eingestellt. Die Integration gehe innerhalb der Truppe schnell und problemlos vonstatten, die Situation sei eine viel bessere, als in weiten Teilen der muslimischen Community selbst angenommen würde. Zwar gebe es an manchen Orten auch rassistische Vorfälle, aber dort, wo diese ruchbar würden, würden sie rigoros geahndet.

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