G7: Lediglich Minimalkonsens unter Finanzministern und Notenbanken

Die USA bleiben stur. Wie schon im Kreis der größten Industrie- und Schwellenländer verhindert Washington auch im westlichen G7-Bündnis ein Votum für den Freihandel. Den Streit entschärfen sollen nun die Staats- und Regierungschefs - spätestens beim G20-Gipfel Anfang Juli.

Bari (dpa) - Die Top-Wirtschaftsmächte streiten weiter über eine gemeinsame Handelspolitik. Die USA blockierten auch beim Treffen der G7-Gruppe der führenden westlichen Industrieländer ein klares Bekenntnis zu freiem Handel und gegen Marktabschottung. Die G7-Finanzminister und -Notenbankchefs verständigten sich am Samstag in Bari nur auf einen Minimalkonsens. In der G7-Abschlusserklärung hieß es äußerst knapp: «Wir arbeiten daran, den Beitrag des Handels für unsere Volkswirtschaften zu stärken.»

Das ist dieselbe unverbindliche Formulierung wie schon beim Treffen der Finanzminister der G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer vor zwei Monaten in Baden-Baden. G7-Gastgeber Italien wollte das Thema Handel eigentlich ganz von der Tagesordnung des Finanzminister-Treffens streichen. Entschärft werden soll der Konflikt nun auf Ebene der Staats- und Regierungschefs - beim G7-Gipfel in zwei Wochen auf Sizilien oder beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg unter Gastgeber Deutschland. 

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sprach nach den zweitägigen G7-Beratungen dennoch von einem «intensiven Austausch». «Ich bin ganz zuversichtlich, dass die Entwicklung weiter geht», sagte Schäuble. Er gehe davon, dass sich die USA auch in diese Richtung entwickelten. US-Finanzminister Steve Mnuchin habe gesagt, die USA seien natürlich für freien Handel. Sie hätten gerade ein Abkommen mit China abgeschlossen.

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Neue Seidenstraße: China will Milliarden in Infrastruktur von morgen investieren

China hat die Welt für seine Initiative einer «Neuen Seidenstraße» nach Peking eingeladen. Milliarden sollen in Straßen, Häfen und Zugstrecken investiert werden. Der Gipfel beginnt aber mit Streit.

Peking (dpa) - Kurz vor dem Gipfel für die Entwicklung einer «Neuen Seidenstraße» in Peking herrschte am Samstag noch Uneinigkeit über eine gemeinsame Erklärung zum Handel. Vertreter aus mehr als 100 Ländern, darunter rund 30 Staats- und Regierungschefs, sind zu dem Treffen am Sonntag und Montag in die chinesische Hauptstadt gereist.

Die Teilnehmer wollen über die chinesische Initiative für den Bau von Wirtschaftskorridoren entlang der antiken Handelsrouten beraten, die Asien, Afrika und Europa über Land und See besser verbinden sollen. Für die Infrastrukturpläne stellt China Zig-Milliarden US-Dollar bereit.

Unter den Teilnehmern sind Russlands Präsident Wladimir Putin und auch die Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aus der Türkei und Rodrigo Duterte aus den Philippinen. Ferner sind die Regierungschefs Paolo Gentiloni aus Italien oder Mariano Rajoy aus Spanien vertreten. Auch die USA und Nordkorea haben Delegationen geschickt. Aus Deutschland ist Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) angereist. Sie will ihre Gespräche auch dafür nutzen, um sich für einen «offenen und freien Handel, der dann bitte auch beidseitig ist», stark zu machen.

Die Ministerin berichtete, in den Verhandlungen über eine der Abschlusserklärungen gehe es auch um solche Themen. «Da sind wir uns auch noch nicht ganz einig.» Als Zeichen dafür, dass die chinesischen Gastgeber sehr großen Wert auf die deutsche Teilnahme an dem Treffen legen, wird Zypries am Sonntag unter anderen von Präsident Xi Jinping und am Montag von Ministerpräsident Li Keqiang empfangen. Auch sind Gespräche mit dem Handelsminister und dem Chef der mächtigen Entwicklungs- und Reformkommission geplant.

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Cannabis als Hoffnung im Kampf gegen Demenz?

Fürs Mäusehirn ist der Wirkstoff der Cannabis-Pflanze ein Jungbrunnen, haben Forscher festgestellt. In einer klinischen Studie wollen sie ihn nun am Menschen erproben.

Bonn (dpa) - Geringe Dosen des Cannabis-Wirkstoffes verbessern nach Forscherangaben die nachlassende Gehirnleistung von alten Mäusen. Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) den Alterungsprozess des Gehirns von Mäusen verändert, berichten Bonner Forscher im Wissenschaftsjournal «Nature Medicine». In einer klinischen Studie wollen sie jetzt untersuchen, ob THC auch die Gehirnfunktion von älteren Menschen mit einer beginnenden Alzheimer-Demenz oder einer milden Altersdemenz normalisieren kann.

Die von der nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerin Svenja Schulze unterstützte Studie soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr beginnen, sagte der Neurowissenschaftler Professor Andreas Zimmer. Medizinisches Marihuana sei schon lange untersucht: «In diesem Zusammenhang wissen wir, dass praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen funktioniert. Von daher bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind», sagte Zimmer.

Die Bonner Forscher untersuchen seit rund 15 Jahren an Mäusen das System der Rezeptoren, auf die Cannabis wirkt. Alle Ergebnisse zeigten, dass dieses sogenannte Endocannabinoidsystem als Teil des Nervensystems, alle Alterungsprozesse beeinflusst. «Die Aktivität des Systems nimmt bei alternden Tieren ab und geht einher mit typischen Alterungssymptomen, wie Osteoporose, runzeliger Haut und abnehmender Kognitions-Leistung», sagte der Neurowissenschaftler. Abnehmende Aktivität des Systems und Alterserscheinungen gehen demnach Hand in Hand.

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Solarworld: Waterloo für Staatsdiktate in der Industriepolitik

Solarworld sieht keine Chance mehr, die eigene Krise zu überleben. Nach der Ankündigung eines Insolvenzantrages sind viele Fragen offen. Für die Betroffenen wichtig: Was wird aus den noch rund 3000 Jobs?

Bonn (dpa) - Der Solartechnik-Hersteller Solarworld wird im Laufe des Donnerstags den erwarteten Insolvenzantrag stellen. Wie ein Sprecher des Unternehmens am Donnerstag sagte, werde der Antrag in den nächsten Stunden beim zuständigen Amtsgericht eingereicht. Solarworld hatte am Mittwochabend überraschend - aber nicht völlig unerwartet - eingeräumt, keine Zukunft für das überschuldete Unternehmen mehr zu sehen und einen Insolvenzantrag angekündigt. Für die rund 3000 Mitarbeiter beginnt nun eine Zeit der Ungewissheit.

Der Antrag ist ein neuer Tiefpunkt im bereits länger andauernden Niedergang des einstigen Vorzeigeunternehmens Solarworld. Das Unternehmen kämpft schon länger mit sinkenden Preisen für Solarmodule und einer bedrohlichen Klage in den USA. 2016 gab es tiefrote Zahlen. Unternehmenschef Frank Asbeck hatte noch Ende März angekündigt, mit einem scharfen Sparprogramm bis 2019 wieder aus der Verlustzone kommen zu wollen. Mit «Qualität und Technologie» wolle man sich vom asiatischen Wettbewerb absetzen.

Mit dem Abbau von 400 Stellen - 300 davon in Deutschland - und zahlreichen Einzelmaßnahmen sollten die Kosten um ein Fünftel verringert werden. Ein Sozialplan wurde an den deutschen Standorten in Arnstadt (Thüringen) und Freiberg (Sachsen) bereits verhandelt. 2016 hatte das Unternehmen unter dem Strich knapp 92 Millionen Euro Verlust ausgewiesen.

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Solvency II: Versicherer müssen Solvenzquote offenlegen

Von Friederike Marx, dpa und Steffen Weyer, dpa-AFX

Verheerende Naturkatastrophen, dramatische Turbulenzen an den Finanzmärkten: Erstmals müssen Europas Versicherer die Öffentlichkeit darüber informieren, ob sie Extremereignissen gewachsen sind.

Frankfurt/Main (dpa) - Wie gut ist mein Lebensversicherer aufgestellt? Wie krisenfest ist die Schadenversicherung? Erstmals seit Einführung der strengeren europäischen Regeln (Solvency II) 2016, soll sich die Öffentlichkeit ein genaueres Bild über die Lage einzelner Versicherungen machen können. Bis spätestens 22. Mai müssen allein in Deutschland rund 350 Assekuranzen detailliert darüber Auskunft geben. Ob das Kunden weiterhilft, ist allerdings fraglich.

Was müssen Versicherer genau mitteilen?

Sie müssen allgemeinverständlich über ihre Finanzlage, die Risiken und die allgemeine Geschäftsentwicklung informieren. Versicherer sollen über so viel Kapital verfügen, dass sie selbst extreme Ereignisse verkraften können, die im Mittel nur alle 200 Jahre zu erwarten sind, beispielsweise Großschäden durch verheerende Naturkatastrophen oder extreme Turbulenzen an Aktien- und Anleihemärkten. Aufschluss über die Lage des Versicherers in solchen Stresssituationen gibt unter anderem die sogenannte Solvenzquote. Ein Wert von unter 100 gilt als kritisch und würde in Deutschland die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan rufen. Sie könnte dem Unternehmen im Extremfall das Neugeschäft untersagen.

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