Energiewende-Pfusch sorgte für Horrorjahr bei Stromkonzernen

Von Rolf Schraa, dpa

Rekordverluste bei RWE und Eon. Sparprogramme, die Mitarbeitern Angst machen. Die Energiebranche hat 2016 ein Schreckensjahr erlebt. Für 2017 versprechen die Konzernchefs leichte Besserung - dabei zahlen die Endkunden immer höhere Preise.

Essen/Düsseldorf (dpa) - Milliarden-Abschreibungen, Rekordverluste und obendrein Flaute für teure neue Windkraftwerke durch ungünstiges Wetter: Die Energiebranche hatte 2016 ein rabenschwarzes Jahr. Das zeigt die Bilanzsaison der Stromkonzerne, die am Mittwoch mit dem 16-Milliarden-Euro-Minus bei Eon einen Höhepunkt erreichte. Offen ist von den großen Anbietern noch EnBW, wo erst zum Monatsende Daten vorliegen. Für die ersten drei Quartale gab es auch dort Verluste.

Eon, RWE, Uniper, Vattenfall - alle Energieriesen mit Ausnahme von Innogy mussten roten Zahlen hinnehmen und viele Milliarden auf ihre Gas- und Kohlekraftwerke abschreiben, weil die staatlich geförderte Konkurrenz von Wind- und Sonnenstrom sie aus dem Markt drückte. Hinzu kamen die Lasten des Atomausstiegs. Besonders spektakulär traf es zuletzt Eon. Ein Fehlbetrag von 16 Milliarden Euro ist einer der höchsten Verluste überhaupt in der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Das dürfte auch Eon-Chef Johannes Teyssen persönlich unter Druck setzen, der mit der Aufspaltung des Unternehmens als einer der ersten Spitzenmanager auf die Veränderungen der Energiewende reagiert hatte. «Herr Teyssen wird eine schwere Zeit haben in den nächsten Wochen», sagt Thomas Deser von der Fondsgesellschaft Union Investment, die knapp ein Prozent an Eon hält. Dabei liegt nicht alles am politischen Rahmen. Teyssen räumte auch eigene Fehler etwa bei den Auslandsengagements ein: «Der Einstieg in Brasilien war ein Flop.»

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Intel: Mobileye soll Durchbruch bei Roboterautos bringen

Tel Aviv (dpa) - Intel will die Zukunft des Autos mitgestalten und kauft den auf Kameras für Roboterwagen spezialisierten Zulieferer Mobileye. Der amerikanische Chip-Gigant zahlt für das Start-up aus Jerusalem insgesamt 15,3 Milliarden Dollar. Mobileye stellt mit seinen Kameras die Augen für heutige Assistenzsysteme und künftige selbstfahrende Autos. Zudem entwickelt die israelische Firma ein Steuersystem, das Signale verschiedener Sensoren verarbeitet. Intel wird damit wichtiger für die Autobranche und könnte viel stärker als bisher bei der Entwicklung von Fahrzeugen der Zukunft mitmischen.

Intel und Mobileye hatten bereits unter anderem bei der Entwicklung künftiger Roboterwagen von BMW kooperiert. Dabei stellt Mobileye große Teile der Roboterwagen-Technologie rund um die Erfassung der Umgebung und Intel die Rechenleistung. Zusammen mit dem weiteren Zulieferer Delphi wollten beide Partner zudem Autoherstellern ein günstiges System zum autonomen Fahren «für einige tausend Dollar» bieten. Außerdem kooperiert Mobileye mit dem Kartendienst Here der deutschen Autobauer Daimler, Audi und BMW.

Intel werde seine Entwicklung von Systemen für selbstfahrende Autos bei Mobileye in Israel einbringen, hieß es in einer E-Mail an die Mitarbeiter des Start-ups. «Unser Ziel ist es, zum führenden Team beim autonomen Fahren zu werden.» Durch den Zusammenschluss mit Intel könne man das Tempo hochschrauben und die Risiken drücken. Die Mobileye-Führung rund um die Mitgründer Amnon Schaschua und Ziv Aviram bleibe an Bord. Das Unternehmen aus Jerusalem hatte im vergangenen Jahr etwas mehr als 600 Mitarbeiter.

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Blackrock will strenge Verschwiegenheitsregeln aufweichen

Frankfurt/Main (dpa) - Der mächtige, aber verschwiegene Vermögensverwalter Blackrock will seine Meinung künftig stärker öffentlich kundtun. Dabei geht es um einzelne Unternehmen, an denen Blackrock beteiligt ist. «Ich bin der Meinung, wir sollten das in Ausnahmefällen tun», sagte der Aufsichtsratschef der Deutschland-Tochter, Friedrich Merz, am späten Dienstag vor Journalisten in Frankfurt. «Da gibt es eine interne Diskussion.»

Blackrock ist eine Größe in der internationalen Finanzwelt mit nennenswerten Beteiligungen an nahezu allen namhaften Konzernen. Bislang hält sich der US-Finanzgigant aber öffentlich stark zurück, wenn es um strittige Themen bei Unternehmen geht, bei denen Blackrock Großaktionär ist. So äußern sich Blackrock-Vertreter generell nicht auf Hauptversammlungen. «Wir gehen natürlich hin, aber wir machen keinen Rabatz wie manch anderer», sagte Merz. Das sei eine Frage des Stils. «Da muss man nicht unbedingt zur Verlängerung der Hauptversammlung beitragen.» Es gebe stattdessen Gespräche hinter den Kulissen. «Die Unternehmen, die Vorstände und wenn nötig die Aufsichtsräte kennen unsere Meinung.»

Merz begründete die Verschwiegenheit mit Blackrocks Stellung als Treuhänder für seine Kunden. «Es ist nicht unser eigenes Geld.» Kunden sind institutionelle Investoren wie Pensionskassen, aber auch Privatleute.

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PSA will mit Opel-Sanierung nicht zuwarten

Der Autobauer Opel wird nach Einschätzung eines Experten schnell saniert. Dabei werden die neuen französischen Eigentümer durchregieren und das Sparen nicht allein dem deutschen Management überlassen.

Frankfurt/Geislingen (dpa) - Bei der Sanierung des defizitären Autoherstellers Opel-Vauxhall wird der französische PSA-Konzern nach Einschätzung eines Branchenexperten sehr zügig vorgehen. Er halte es nicht für realistisch, dass allein das Opel-Management den Umbau gestalten werde, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (ifa) in Geislingen, Willi Diez, der Deutschen Presse-Agentur. «Das hat noch bei keiner Übernahme funktioniert», sagte er unter Hinweis auf die schmerzlichen Erfahrungen des Daimler-Konzerns bei der längst wieder rückabgewickelten Übernahme des US-Herstellers Chrysler.

Nach seiner Überzeugung habe PSA-Chef Carlos Tavares ein klares Konzept, wie Opel bis 2020 wieder in die Gewinnzone zu bringen ist. «Die Franzosen werden sehr schnell vorgehen. Tavares hat PSA in den vergangenen Jahren zügig saniert und wird auch Opel schnell auf eine "schwarze Null" steuern.» Das sei absehbar mit klaren Direktiven aus Paris und dem Einsatz französischer Manager bei Opel verbunden. «Die müssen genau wissen, wie PSA tickt.»

Inhaltlich werde es vor allem darum gehen, die gesamte Modellpalette der verschiedenen Konzernmarken Peugeot, Citroën, DS und Opel schnell auf einheitliche Plattformen zu stellen und mit möglichst vielen identischen Bauteilen, sogenannten Gleichteilen, auszustatten. Damit erreiche man hohe Skaleneffekte bei Einkauf und Produktion.

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200 Jahre Fahrrad: Die erste Revolution des Individualverkehrs

Von Carsten Hoefer, dpa

Das Fahrrad wird 200 Jahre alt - die erste Fahrt des Freiherrn Karl Drais auf seiner «Laufmaschine» 1817 war ein großer Schritt in der Entwicklung des Individualverkehrs. Erfinder Drais führt im offiziellen Gedenken aber nach wie vor ein Schattendasein.

München (dpa) - Der 12. Juni 1817 ist kein historisches Datum, das sich in das kollektive Gedächtnis eingeprägt hat. Dabei unternahm an dieem Tag vor bald 200 Jahren der badische Freiherr Karl Drais (1785-1851) die erste Ausfahrt mit seiner «Laufmaschine».

Anders als alle anderen damals in Europa üblichen Gefährte kam die Laufmaschine ohne Zugtier aus - und Drais Erfindung war der Startschuss für den modernen Individualverkehr. Der Verband der Zweirad-Industrie erinnert nun mit einer Reihe von Veranstaltungen schon vor dem Jahrestag an die Geschichte des Fahrrads.

Das erste Fahrrad, das Drais auf die Straße brachte, kam dabei noch ohne Kette, Pedale oder luftbefüllte Reifen aus. Moderne Versionen haben mittlerweile als Laufräder für Kleinkinder ein Comeback erlebt.

«Drais hat das Zweirad-Prinzip mit hintereinander angeordneten Rädern erfunden», sagt der Technikhistoriker und emeritierte Physikprofessor Hans-Erhard Lessing, Deutschlands führender Drais-Fachmann. Erst das Fahren hält ein Zweirad im labilen Gleichgewicht - das war bis dahin unbekannt. «Wer nichts tut, fällt runter», sagt Lessing. «Die Balanciererei war für viele Leute unerträglich.»

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