Flüchtlinge: Wie hat die Wirtschaft tatsächlich reagiert?

Von Annika Grah, dpa

Im vergangenen Herbst legten zahlreiche Großkonzerne Programme für Flüchtlinge auf. Doch wie viele geflüchtete Menschen inzwischen tatsächlich Arbeit gefunden haben, lässt sich nur schwer beziffern.

Esslingen (dpa) - Für Mohsen A. ist ein Kindheitstraum wahr geworden. «Schon als Kind haben mir die Bilder von Mercedes gefallen. Die sehen immer noch gut aus.» Seit vergangenem Jahr macht der 22-jährige Afghane eine Ausbildung zum Mechatroniker bei dem Autohersteller. 2010 war Mohsen ohne seine Familie nach Deutschland gekommen. «Nicht freiwillig», mehr sagt er nicht über seine Vergangenheit. Der Zufall brachte ihn nach Esslingen. Nach dem Hauptschulabschluss absolvierte er eine Berufsfachschule und bewarb sich für verschiedene Ausbildungsplätze. Aus mehreren Zusagen wählte er den Stuttgarter Autokonzern Daimler. Teil eines der vom Konzern aufgelegten Flüchtlingsprogramme war der 22-jährige Afghane nicht: «Für mich gab es keine Sonderbehandlung», sagt er.

Genau eine solche «Sonderbehandlung» lassen mehrere Großkonzerne aber seit vergangenem Jahr angedeihen. Bei Daimler absolvierten im ersten Halbjahr 2016 etwa 300 Menschen ein solches Praktikum inklusive Deutschkurs. Bei Siemens wurden im März mehr als 60 Plätze für eine sechsmonatige Ausbildungsvorbereitung zur Verfügung gestellt. 15 von ihnen werden auch eine Ausbildung bekommen, der Rest wird bei ihren Bewerbungen in anderen Unternehmen unterstützt. Dazu kommen in diesem Jahr bis zu rund 100 Praktikumsplätze.

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Native Advertising: Eingebundener Journalismus mit kommerziellem Hintergrund

Von Andreas Heimann, dpa

Native Advertising ist so ein Begriff aus der Werbewelt, mit dem eigentlich nur Experten etwas anfangen können. Gemeint sind Beiträge, die nicht unbedingt als Werbung zu erkennen sind. Das hat Vorteile und auch seine Tücken.

Berlin (dpa) - Online-Werbung kann schnell nerven. Besonders, wenn sie sich über den Text legt und sich nicht gleich schließen lässt. Eine Antwort darauf ist Native Advertising. Dabei poppt kein Banner auf, es handelt sich auch gar nicht um eine klassische Werbung. Optisch und inhaltlich fügt es sich in die journalistische Umgebung ein. Das ist nicht unumstritten.

Übersetzen lässt sich Native Advertising schlecht. «Es ist ein von Anzeigenkunden bezahlter und gekennzeichneter Text-, Video- oder Audiobeitrag, der redaktionell anmutet, sich auf die Interessen des Nutzers bezieht und bei dem Relevanz und Mehrwert im Vordergrund stehen», erklärt Holger Kansky, Referent Multimedia beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).

Und anders als bei Werbebannern ist Interaktion ein wichtiger Gesichtspunkt: «Die Inhalte sollen in sozialen Medien geliked und geteilt werden», sagt Kansky. «Bei einigen Online-Angeboten wird der virale Uplift mitverkauft.» Das heißt, der Werbekunde soll sich darauf verlassen können, dass der von ihm bezahlte Beitrag seinen Weg durch die sozialen Medien wie Twitter und Facebook nimmt. «Das hat schon eine neue Qualität.»

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Microsoft will weltgrößtes Karriere-Netzwerk erwerben

Microsoft greift nach dem Karriere-Netzwerk LinkedIn mit 433 Millionen Mitgliedern. Der Windows-Riese will damit auch in der Zukunft eine relevante Größe in Unternehmen bleiben.

Redmond (dpa) - Microsoft will seine Vormachtstellung in Unternehmen mit dem Kauf des Karriere-Netzwerks LinkedIn für mehr als 20 Milliarden Dollar zementieren. Damit kommen 433 Millionen Mitglieder und ihre Daten unter das Dach des Windows-Konzerns. Es ist der teuerste Zukauf für Microsoft und einer der größten Deals in der Tech-Branche.

Der deutlich größere Konkurrent des deutschen Anbieters Xing werde bei der Übernahme insgesamt mit 26,2 Milliarden Dollar (23,3 Mrd Euro) bewertet, teilten die Unternehmen am Montag mit. In dieser Summe seien auch die Geldreserven von LinkedIn eingerechnet. Sie lagen zum Ende des ersten Quartals bei gut drei Milliarden Dollar.

Microsoft bietet 196 Dollar pro Aktie. Das ist ein satter Aufpreis auf den Schlusskurs von 131,08 Dollar von Freitag. Im Vergleich zu Kursen im vergangenen Jahr ist es allerdings noch so etwas wie ein Schnäppchen: Die Aktie hatte zeitweise über 260 Dollar notiert.

Bei LinkedIn können sich Nutzer mit eigenen Profilen in ihrem beruflichen Umfeld vorstellen, nach neuen Jobs Ausschau halten und mit anderen Mitgliedern kommunizieren. Unternehmen nutzen das Portal auch für die Suche nach Mitarbeitern. Im ersten Quartal 2016 kletterte die weltweite Nutzerzahl von 414 auf 433 Millionen. Pro Monat waren 105,5 Millionen von ihnen aktiv.

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Industrie warnt vor Engpässen bei der Rohstoffversorgung

Berlin (dpa) - Die deutsche Industrie sorgt sich um ihre Versorgung mit Rohstoffen. «Die Politik muss das Thema Rohstoffsicherheit wieder auf die politische Agenda setzen», forderte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, am Dienstag in Berlin. Wegen der Digitalisierung und der Energiewende steige die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen wie etwa Seltenen Erden oder Lithium deutlich. «Ausgerechnet für etliche dieser Rohstoffe ist die sichere Versorgung der Industrie in Gefahr», warnte Grillo.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mahnte die Industrie, auch heimische Rohstoffe wie Kies oder Mineralien nicht aus dem Blick zu verlieren - auch «wenn diese nicht so sexy sind wie Seltene Erden». Er verwies auf den riesigen Bedarf an Baustoffen für die Energiewende sowie die Infrastruktur für moderne Zukunftstechnologien.

Der Vize-Kanzler rief die deutsche Wirtschaft auf, sich stärker in Ländern mit hohen Rohstoffvorkommen an der Förderung zu beteiligen. Unternehmen sollten sich nicht zweimal von Ländern einladen lassen, die sich nicht in die Abhängigkeit von China begeben wollten. Zudem überlegten Länder wie Saudi-Arabien, wie sie künftig angesichts des Welt-Klimaabkommens mit Rohstoffen wie Erdöl umgehen. Gabriel sprach sich im Zusammenhang mit der Rohstoffsicherung erneut für weitere Schritte zum Abbau der Spannungen mit Russland aus: «Russland braucht Europa, aber wir brauchen auch Russland.»

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Klimaangst als Marketinginstrument für Versicherer in Entwicklungsländern

Klimawandel und Naturkatastrophen bedrohen oft die Ärmsten der Welt. Die Versicherer arbeiten deshalb an Klimawandel-Versicherungen. Angesichts von Milliarden Unversicherten ein lukratives Geschäft.

Kuala Lumpur (dpa) - Entwicklungsländer sind besonders verwundbar für Naturkatastrophen - und zugleich kann sich dort kaum jemand Versicherungsschutz leisten. Große Versicherer arbeiten deshalb schon seit Jahren an Klimaversicherungen und anderen Lösungen, um beispielsweise Bauern vor den oft existenzbedrohenden Folgen schwerer Unwetter und anderer Naturgefahren zu schützen. Für die Branche selbst ist das durchaus ein interessantes Geschäft, wie Ivo Menzinger vom Rückversicherer Swiss Re der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Kuala Lumpur sagte.

Rund vier Milliarden Menschen weltweit haben nach Schätzungen der Swiss Re keinerlei Versicherungsschutz. Das Unternehmen experimentiere deshalb mit bezahlbaren Mikroversicherungen und Klimaversicherungen für Staaten, sagte Menzinger, der die Abteilung «Global Partnerships» bei dem Unternehmen leitet. Mit ein paar Dutzend Ländern und Lokalbehörden seien Verträge schon geschlossen worden.

«Viele Schäden etwa an Infrastruktur und Staatseigentum sind nicht versichert, und die Staaten müssen auch Leuten unter die Arme greifen, die es sich gar nicht leisten können, am Versicherungsmarkt teilzunehmen», sagte Menzinger. «Das heißt: zahlen müssen die Finanzminister sowieso, etwa, indem sie Schulden aufnehmen oder Budgetposten verschieben. Deshalb sagen wir: statt hinterher nachzudenken, wie das Loch zu stopfen ist, spricht viel dafür, einen Teil der Kosten durch Versicherungen vorzufinanzieren.»

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