Udacity soll Infrastruktur für Online-Bildung auch in Deutschland stärken

Der in Deutschland geborene Sebastian Thrun startete einst das Roboterauto-Projekt bei Google. Jetzt will seine Lernplattform Udacity Wissen aus dem Silicon Valley nach Deutschland bringen - und speziell auch über selbstfahrende Autos.

Berlin (dpa) - Roboterwagen-Pionier Sebastian Thrun will mit seiner Online-Lernplattform Udacity Fachwissen über selbstfahrende Autos an interessierte deutsche Hersteller vermitteln. «Es gibt einen Wahnsinns-Bedarf in der Industrie für Leute mit Wissen über selbstfahrende Autos», sagte der Entwickler der ersten Google-Roboterwagen der dpa zum Deutschland-Start von Udacity am Mittwoch. «Mir geht es darum, den Verkehr sicherer zu machen, das ist für mich wichtiger, als einer speziellen Firma zu helfen.»

In den sechs bis zwölf Monate dauernden Online-Kurse könne man einiges schaffen, betonte Thrun: «Man kann einen relativ guten Programmierer in einem halben Jahr zum Spezialisten im Bereich selbstfahrender Autos ausbilden.» Genauso könne man aber auch einen Nicht-Programmierer zum Programmierer machen oder einen Programmierer zum Entwickler von Smartphone-Apps. Das Interesse an Fachwissen aus dem Silicon Valley sei in Deutschland stark: «Viele der großen Firmen, mit denen wir reden, die zum Teil zehntausende Ingenieure haben, müssen sich in einer neuen Welt mit künstlicher Intelligenz, Big Data, selbstlernenden Maschinen und virtueller Realität zurechtfinden.»

Udacity bietet in Deutschland zum Start am Mittwoch die gleichen Kurse wie in den USA an. Sie wurden zum Teil mit Beteiligung von Schwergewichten wie Google oder Facebook entwickelt, sind auf konkrete Fähigkeiten und Wissensbereiche ausgerichtet und kosten 200 Euro pro Monat. «Wir glauben, dass Wissen aus dem Silicon Valley überall auf der Welt gefragt ist», sagte Thrun. Auch mit deutschen Unternehmen sollen Inhalte für Kurse entwickelt werden. Udacity hat nach eigenen Angaben rund vier Millionen Nutzer weltweit, darunter bereits einige tausend in Deutschland. Als Partner tritt hierzulande der Bertelsmann-Konzern auf.

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Fintechs als Schreckgespenst traditioneller Banken

Von Renate Grimming und Andrej Sokolow, dpa

Tausende neue Start-ups dringen als sogenannte Fintechs in die etablierte Finanzwelt vor. Sie wollen moderne Technologie und eine veränderte Nutzung mobiler Internet-Geräte für neue Geschäftsmodelle nutzen - und treten damit in Konkurrenz zu traditionellen Banken.

Berlin (dpa) - Die Musik- und Medien-Branche wurde bereits radikal vom Internet umgekrempelt. Der Wandel in der streng regulierten Finanzindustrie geht dagegen etwas schwerfälliger vonstatten. Doch auch hier wächst der Druck auf die Banken-Bastionen. Manche Beobachter sagen schon voraus, dass die traditionellen Unternehmen von den neuen Fintech-Start-ups überrollt werden könnten. Dass die Industrie bei dem bereits eingesetzten Wandel noch einiges mitbestimmen wird, schätzt dagegen der Vizepräsident des Bitkom, Ulrich Dietz.

ONLINE-BANKEN: Seit jeher gehörte zum Bild einer Bank ein Netz von Filialen. Mit dem Internet ist es möglich, alles online zu erledigen - selbst bei der Kontoeröffnung hält man den Personalausweis vor die Kamera. So kann eine Bank massiv Geld sparen. Laut Bitkom führt fast ein Drittel der Verbraucher die Bankgeschäfte inzwischen ausschließlich über das Web. Zugleich hat das Modell seine eigenen Kostenfallen für die Anbieter und ist eine Herausforderung beim Kundenservice, wie man jüngst bei der Berliner Firma Number26 sehen konnte. Das Unternehmen kündigte einigen Kunden, weil sie sehr häufig Geld abgehoben hätten - das ist für sie kostenlos, aber die Online-Bank muss jedes Mal Gebühren bezahlen. Weil sich Number26 Zeit mit einer Erklärung ließ, gab es Kritik im Internet.

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Facebook will künftig auch Nichtmitgliedern personalisierte Werbung anbieten

Facebook will sich ein noch größeres Stück vom Online-Werbekuchen sichern: Das weltgrößte Online-Netzwerk will Anzeigen nicht für nur seine Mitglieder vermarkten. Damit einher gehen neue Möglichkeiten, das zu blockieren.

Menlo Park (dpa) - Facebook will künftig auch Internet-Nutzern, die nicht Mitglieder des Online-Netzwerks sind, personalisierte Werbung anzeigen. Dafür werden wie in der Online-Branche üblich sogenannte Cookies im Web-Browser abgelegt, die Anzeigen an das Surf-Verhalten anpassen. Die Funktion kann blockiert werden, wie Facebook in einem Blogeintrag am späten Donnerstag (Ortszeit) erklärte.

Der Schritt verschärft die Rivalität unter anderem mit Google und den Online-Werbemarkt. Denn jetzt wird Facebook stärker zum Kanal für die Auslieferung von Online-Werbung über die rund 1,65 Milliarden eigenen Mitglieder hinaus. Noch ist Google weit voraus: Bei Facebook wuchsen die Anzeigen-Erlöse im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 57 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar. Bei Google legten sie um 16 Prozent auf 18 Milliarden Dollar zu.

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Ölpreis: Aufwärtstrend könnte angesichts schrumpfender Reserven von Dauer sein

Von Tobias Schmidt, dpa-AFX

Der Ölpreis steigt und steigt derzeit - und viele Gründe sprechen dafür, dass dieser Trend andauert. Oder folgt dem Hoch doch schon bald wieder ein Tief?

Frankfurt/Main (dpa) - Billiges Öl bedeutet für die deutschen Verbraucher vor allem eines: Sie sparen beim Tanken und müssen weniger fürs Heizen zahlen. Seit fast zwei Jahren haben sich die Verbraucher an diesen Komfort gewöhnt. Von Mitte 2014 bis Anfang 2016 waren die Ölpreise von über 100 auf etwa 30 Dollar je Barrel (159 Liter) eingebrochen. Doch seither hat sich der Wind gedreht. Am Donnerstag übersprang der Preis für die Nordseesorte Brent sogar erstmals seit einem halben Jahr wieder die Marke von 50 US-Dollar. Ist die Kehrtwende am Ölmarkt endgültig erreicht? Einiges spricht dafür - auch wenn es am Freitag zunächst in Richtung 49 Dollar nach unten ging.

Der Hauptgrund für den Preisanstieg der jüngsten Zeit ist in den USA zu suchen, denn hier sinkt die Fördermenge. Ende April erreichte sie sogar den tiefsten Stand seit Herbst 2014. Der Grund für den Rückgang: Ein großer Teil der US-Produktion wird mit Fracking gewonnen. Diese Fördertechnik, bei der chemische Flüssigkeiten in tief liegende Gesteinsschichten gepresst werden, ist nicht nur wegen möglicher Folgen für Mensch und Umwelt umstritten, sie ist auch relativ teuer. Die Fracker leiden daher besonders stark unter den niedrigen Preisen und müssen ihre Produktion teilweise auf Eis legen.

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Glanz und Elend der Containerschifffahrt

Von Eckart Gienke, dpa

Die Erfindung des Containers hat die Welt stärker verändert als die meisten politischen Ideen und sie in ein globales Dorf verwandelt. Diese Globalisierung kennt Gewinner und Verlierer. Sie schafft Wohlstand, aber auch Ungleichheit und verbraucht viele Ressourcen.

Hamburg (dpa) - Globalisierung ist nicht neu. Schon in frühen Epochen der Menschheit gab es Handel über weite Distanzen. Mit der Erfindung des Containers aber sanken die Transportkosten auf fast Null und die gehandelten Gütermengen erreichten riesige Dimensionen. Es ist nicht mehr wichtig, die Güter in der Nähe der Rohstoffvorkommen oder der Absatzmärkte zu produzieren. Dazu kommt noch die Digitalisierung der vergangenen Jahrzehnte, die Informationen ohne Verzögerung global verfügbar gemacht hat. Wer profitiert von der Globalisierung und wer zählt zu den Verlierern?

Gewinner:

- Die Schifffahrt und das Transportwesen

Der Welthandel nahm einen enormen Aufschwung, nachdem sich der Container durchgesetzt hatte. Dazu brauchten die Reeder immer mehr und größere Schiffe - Südkorea und Japan bauten sie. Später kam auch China dazu. Diese drei Länder sind heute mit großem Abstand die bedeutendsten Schiffbauländer der Welt.

Weltweit sind fast 41 760 größere Handelsschiffe registriert, davon mehr als 5000 Containerschiffe. Sie transportieren jährlich rund 129 Millionen Standardcontainer (TEU) rund um die Welt. Mit den Transportleistungen vergrößerten sich die Häfen, vor allem in Asien. Unter den Top Ten der Weltrangliste ist kein europäischer und nur ein US-amerikanischer Hafen (Los Angeles).

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