Google Home soll zum virtuellen Alltagsassistenten werden

Von Andrej Sokolow und Christoph Dernbach, dpa

Die Entwicklerkonferenz Google I/O 2016 zeigt: Die amerikanischen Technologieriesen haben sich auf eine Zukunft mit künstlicher Intelligenz festgelegt. Die neue Welt funktioniert aber nur, wenn der Mensch sein Leben für die Maschinen öffnet.

Mountain View (dpa) - Das Verhältnis von Mensch und Technik steht vor dem nächsten Umbruch: Gerade erst brachten Smartphones das Internet und die Leistung eines Supercomputers direkt an die Fingerspitzen, jetzt ist künstliche Intelligenz auf dem Weg, allgegenwärtig zu werden.

Google will der Vorreiter dieser Revolution sein. Das machte die diesjährige Entwicklerkonferenz Google I/O unmissverständlich klar. Üblicherweise stand dort die nächste Version des Smartphone-Systems Android im Mittelpunkt, vielleicht noch ein markantes Überraschungs-Produkt wie die - letztlich gescheiterte - Datenbrille Google Glass. Diesmal gab es vor allem eine Vision: Google als Helfer im Alltag, immer zur Stelle, immer die richtige Antwort parat.

Auf dem sonnendurchfluteten Festival-Gelände neben seinem Hauptquartier demonstrierte Google, wie sich die ersten Bausteine für diese neue Welt zusammensetzen. Der smarte «Assistant» versteht menschliche Sprache und erfüllt Aufträge, der vernetzte Lautsprecher «Google Home» ist sein Vorposten im Haushalt. Im Messenger Allo schlägt die künstliche Intelligenz die passende Antwort vor, im Hintergrund liefert ein von Google eigens für selbstlernende Maschinen entwickelter Chip die Rechenleistung. Und nur wenige Schritte weiter fahren Googles Roboter-Wagen auf den Straßen von Mountain View, gesteuert von Software, die ihre Umgebung versteht.

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Spracherkennung als Schwerpunkt-Strategie für Google

Google schlägt eine neue Strategie für seine Zukunft ein: Statt wie gewohnt Suchanfragen einzutippen, sollen sich Nutzer mit Software und Geräten des Konzerns unterhalten können. Damit verschärft Google die Rivalität mit Apple, Microsoft und Amazon um die vernetzte Zukunft.

Mountain View (dpa) - Google setzt massiv auf Spracherkennung, um sich tiefer im Alltag zu verankern. Der Internet-Konzern stellte am Mittwoch einen vernetzten Lautsprecher mit einem integrierten Sprachassistenten vor. Das Gerät mit dem Namen Google Home kann nicht nur auf Sprachbefehl Musik abspielen, sondern auch auf die Google-Suche zugreifen sowie Aufgaben in verbundenen Geräten und Diensten erfüllen. Man kann zum Beispiel ein Taxi bestellen oder alle möglichen Fragen stellen. Dafür muss das Gerät ständig zuhören, um die Befehle nicht zu verpassen. Mit dem Lautsprecher konkurriert Google direkt mit einem ähnlichen Konzept von Amazon.

Auch insgesamt will Google seine Nutzer verstärkt über den neuen Sprachassistenten erreichen. Mit dem «Google Assistant» solle man sich einfach unterhalten können, erklärte Konzernchef Sundar Pichai auf der Entwicklerkonferenz Google I/O im kalifornischen Mountain View. Damit wolle Google nützlicher werden. «Wir haben ein Jahrzehnt investiert, um die weltbeste Spracherkennungs-Technologie zu entwickeln», sagte Pichai. Das war ein Seitenhieb gegen Konkurrenz wie Apples persönliche Assistentin Siri, Microsofts Cortana oder Amazons Technologie Alexa.

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Konsumenten merken es: Rohstoffpreise wieder im Aufwind

Von Eckart Gienke, dpa

Nach einem jahrelangen Abwärtstrend haben sich die Preise für Energie und industrielle Rohstoffe gedreht. Nicht nur Rohöl ist seit Januar wieder teurer geworden - sondern auch Erze, Metalle und Agrargüter.

Hamburg (dpa) - Der Verbraucher merkt es an der Tankstelle und beim Heizölkauf: Er muss wieder tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für 100 Liter Heizöl bei Abnahme von insgesamt 3000 Litern (inklusive Mehrwertsteuer) kratzt an der Marke von 50 Euro, wo er zuletzt im vergangenen Dezember notierte. Ein Liter Diesel kostete nach einer Analyse des Portals «Clever Tanken» im April im Durchschnitt 1,02 Euro je Liter und hat damit die Preiszone unterhalb von einem Euro verlassen. Und für Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland 1,25 Euro je Liter bezahlen, fünf Cent mehr als im Monat zuvor.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) betrachtet die steigenden Preise noch nicht unbedingt als eine Trendwende. «Dazu müssten die Steigerungen noch einige Zeit anhalten», sagte HWWI-Rohstoffexperte Leon Leschus.

Der Rohstoffpreis-Index des Instituts kletterte im April abermals um 6,6 Prozent, nachdem das HWWI schon im März ein sehr kräftiges Plus von 14,6 Prozent gemessen hatte. Im Januar hatte der Index seinen tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht; seitdem geht es wieder aufwärts.

Das betrifft nicht allein Energie, also vor allem Öl und Gas. Viele andere Rohstoffpreise hatten ihre Tiefpunkte in den vergangenen Monaten und erholen sich nun wieder. Eisenerz kostete im Dezember weniger als 40 Dollar je Tonne, jetzt sind es mehr als 60 Dollar.

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Waldbrände in Kanada machen Griff zu Ölreserven erforderlich

Von Hannes Breustedt, dpa

Das Ausmaß der Zerstörung durch die Waldbrände in Kanada kann bislang kaum abgeschätzt werden - noch immer sind die Feuer nicht gebändigt. Wie hart trifft das Flammeninferno die Ölindustrie?

New York (dpa) - Die gewaltigen Waldbrände in Kanada haben den Ölmarkt bislang relativ wenig beeindruckt. Doch Experten warnen vor einem andauernden Risiko, das durchaus noch stärkere Auswirkungen haben könnte. Kanada, insbesondere die von den Bränden betroffene Region Alberta, ist für die USA ein wichtiger Öllieferant. Welche Folgen haben die Förderausfälle und was bedeuten sie für den Ölpreis?

«Trotz tobender Waldbrände ist es bislang nicht zu einer Preis-Rally gekommen», sagt Expertin Amrita Sen vom Analysehaus Energy Aspects. Normalerweise sorgt weniger Angebot für steigende Preise am Ölmarkt. Doch dort herrscht Ausnahmezustand, weil ein Kampf um Marktanteile zwischen dem Opec-Kartell mit Saudi-Arabien an der Spitze und den US-Förderern zu einer massiven Überversorgung geführt hat.

Wegen der Waldbrände fällt laut Energy Aspects vorübergehend die Produktion von 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl pro Tag aus. Die großen Energiekonzerne Suncor und Imperial hätten ihren Betrieb über das Wochenende komplett eingestellt, dazu kämen Pipeline-Schließungen anderer Förderer wie Enbridge - als Sicherheitsvorkehrung. Damit ist der überwiegende Teil der Lieferungen an die USA betroffen.

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Ölkonzerne stöhnen unter schwachen Quartalszahlen

Von Hannes Breustedt, dpa

ExxonMobil, der größte nichtstaatliche Ölkonzern der Welt, verdient 63 Prozent weniger. Das schwächste Quartalsergebnis seit 1999 folgt auf eine Reihe weiterer schlechter Nachrichten. Der Marktführer steht stellvertretend für eine gebeutelte Branche. Doch es gibt Hoffnung.

Irving (dpa) - Der US-Ölriese ExxonMobil hat eine rabenschwarze Woche hinter sich: Zuerst kassierten die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's (S&P) erstmals seit fast fünf Jahrzehnten das Spitzen-Rating «AAA» des Konzerns, dann gaben die Texaner die niedrigste Dividende seit 34 Jahren bekannt. Am Freitag dann meldete Exxon den geringsten Quartalsgewinn seit dem Jahr 1999.

Die Misere hat einen simplen Grund: den Ölpreisverfall. In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis für Rohöl mehr als halbiert. Die gesamte Branche ächzt darunter - der US-Marktführer leidet sogar noch auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Hoffnung auf eine Trendwende nimmt zwar zu. Zuletzt ging es am Ölmarkt deutlich nach oben. Mittlerweile haben die Preise für US-Öl und für Nordsee-Öl jeweils die höchsten Stände seit etwa einem halben Jahr erreicht.

Doch auch wenn sich die Aussicht aufhellt - derzeit leckt die Branche ihre Wunden. «Herausfordernde Umstände» habe die Industrie zu bewältigen, kommentierte Exxon-Chef Rex Tillerson nüchtern das schlechteste Quartalsergebnis seines Unternehmens seit über 15 Jahren. Auf 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) - um 63 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert - brach der Überschuss des am Börsenwert gemessen weltgrößten Ölkonzerns ein.

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