Überteuert und veraltet? Der Taschenrechner wird 60

Von Christoph Dernbach, dpa

Der Physiker Jack Kilby stand vor rund 60 Jahren vor einer besonderen Herausforderung. Er suchte für seine bahnbrechende Erfindung des Integrierten Schaltkreises eine Anwendung, die das Potenzial seiner Entdeckung beweisen sollte. Erst Ende März 1967 wurde er fündig.

Dallas/Paderborn (dpa) - Es muss den US-Physiker Jack Kilby vor über 50 Jahren fast in den Wahnsinn getrieben haben, dass sein damaliger Arbeitgeber Texas Instruments den Wert seiner bahnbrechenden Erfindung nicht richtig zur Kenntnis nahm. Im Sommer 1958, während seine Laborkollegen in den Sommerferien weilten, hatte er mit improvisierter Ausrüstung den integrierten Schaltkreis entwickelt, den ersten Mikrochip der Welt. Es sollte noch einmal fast zehn Jahre dauern, bis er mit dem Prototyp eines ersten Taschenrechners eine Perspektive für den Mikrochip aufgezeigen konnte.

Kilby kam auf die Idee, Transistoren, Widerstände und Kondensatoren in einer einzigen Schaltung auf Basis eines Halbleiters zu vereinen. Er montierte 1958 den ersten «Integrierten Schaltkreis» auf einem Glasplättchen mit einem Stück Germanium und mit Drähten dran. 1959 fertigte der Physiker Robert Noyce in der kalifornischen Firma Fairchild ebenfalls einen Mikrochip, er wählte eine Schaltung aus Silizium. Kilby ließ seinen Schaltkreis mit dem Patent 3.138.743 schützen, darum wurde dann vor Gericht gestritten. Erst nach zehn Jahren wurde ein Vergleich erzielt.

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G20: Trumps Handschrift in Handelspolitik deutlich erkennbar

Donald Trump will keinen Sieg, sondern «fairen» Handel. Im Kreis der Top-Wirtschaftsmächte aber setzt sich die US-Regierung vorerst durch - und verhindert ein sonst sicheres G20-Zeichen gegen Protektionismus.

Baden-Baden (dpa) - Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) steuern auf einen schweren Handels- und Währungskonflikt zu. Die USA haben nach heftigem Widerstand eine Einigung der G20-Staaten auf eine gemeinsame Linie in der Handelspolitik vorerst verhindert. Die Finanzminister und Notenbankchefs konnten sich am Samstag bei ihrem Treffen in Baden-Baden auf kein klares Bekenntnis zu freiem Handel und gegen Protektionismus verständigen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Nachmittag aus Verhandlungskreisen.

Gastgeber Deutschland konnte damit trotz zweitägiger, teils nächtelanger Verhandlungen nur einen Minimal-Konsens erreichen. Womöglich wird nun bis zum G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs Anfang Juli in Hamburg ein neuer Anlauf für eine Einigung genommen. Danach übergibt Deutschland nach etwas mehr als einem halben Jahr den G20-Vorsitz an Argentinien.

Üblicherweise bekennt sich die G20-Gruppe in ihren gemeinsamen Abschlusserklärungen zum Freihandel und erteilt wirtschaftlicher Abschottung und Protektionismus eine Absage. Der seit knapp zwei Monaten amtierende US-Präsident Donald Trump jedoch hatte mehrfach betont, er werde in seiner Handels- und Steuerpolitik amerikanische Interessen über alles stellen. Mit dieser «America-First»-Politik wollten die USA den G20-Konsens aufbrechen.

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Mobile World Congress: Nokia 3310 feiert Comeback

Als hätte es die Smartphone-Revolution nicht gegeben: Das klassische Einfach-Handy Nokia 3310 wird neu aufgelegt. Die bunte Reinkarnation bekam beim Mobile World Congress in Barcelona viel Aufmerksamkeit. Wichtiger für das Geschäft dürften aber neue Nokia-Smartphones sein.

Barcelona (dpa) - Das legendäre Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück. Der finnische Anbieter HMD Global, der jetzt Geräte unter der Marke Nokia entwickelt und produziert, kündigte die Wiedergeburt des Modells am Sonntag in Barcelona an. Das neue Nokia 3310 bekommt sogar ein ähnliches Design wie der Klassiker aus dem Jahr 2000 - und neben dem Spiel «Snake» auch den typischen Klingelton.

Die Telefone kommen zusätzlich zum gewohnten Grau auch in den verspielten Farben Rot, Gelb und Blau. Vor allem die Batterie-Lautzeit ist man von Smartphones nicht mehr gewohnt: Das neue 3310 22 Stunden Telefonate aushalten - und einen Monat im Standby. Der Verkaufspreis soll weltweit im Schnitt bei 49 Dollar liegen.

HMD Global reitet hier ganz klar ein Nostalgie-Welle, um die angeschlagene Marke Nokia den Nutzern wieder näherzubringen. Einfache Telefone werden immer weiter von den Smartphones verdrängt. Deshalb war die eigentlich wichtigere Ankündigung der Start von drei Smartphone-Modellen mit dem Android-System. Das Einsteigermodell Nokia 3 kostet 139 Euro, das Nokia 5 ist für 189 Euro zu haben, das Nokia 6 schlägt schließlich mit 229 Euro zu Buche. Alle Nokia-Smartphones werden mit «Googles Assistant» vorinstalliert. Die Modelle unterscheiden sich unter anderem in Bildschirm-Größe und Auflösung.

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200 Jahre Fahrrad: Die erste Revolution des Individualverkehrs

Von Carsten Hoefer, dpa

Das Fahrrad wird 200 Jahre alt - die erste Fahrt des Freiherrn Karl Drais auf seiner «Laufmaschine» 1817 war ein großer Schritt in der Entwicklung des Individualverkehrs. Erfinder Drais führt im offiziellen Gedenken aber nach wie vor ein Schattendasein.

München (dpa) - Der 12. Juni 1817 ist kein historisches Datum, das sich in das kollektive Gedächtnis eingeprägt hat. Dabei unternahm an dieem Tag vor bald 200 Jahren der badische Freiherr Karl Drais (1785-1851) die erste Ausfahrt mit seiner «Laufmaschine».

Anders als alle anderen damals in Europa üblichen Gefährte kam die Laufmaschine ohne Zugtier aus - und Drais Erfindung war der Startschuss für den modernen Individualverkehr. Der Verband der Zweirad-Industrie erinnert nun mit einer Reihe von Veranstaltungen schon vor dem Jahrestag an die Geschichte des Fahrrads.

Das erste Fahrrad, das Drais auf die Straße brachte, kam dabei noch ohne Kette, Pedale oder luftbefüllte Reifen aus. Moderne Versionen haben mittlerweile als Laufräder für Kleinkinder ein Comeback erlebt.

«Drais hat das Zweirad-Prinzip mit hintereinander angeordneten Rädern erfunden», sagt der Technikhistoriker und emeritierte Physikprofessor Hans-Erhard Lessing, Deutschlands führender Drais-Fachmann. Erst das Fahren hält ein Zweirad im labilen Gleichgewicht - das war bis dahin unbekannt. «Wer nichts tut, fällt runter», sagt Lessing. «Die Balanciererei war für viele Leute unerträglich.»

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Barcelona: Mobile World Congress im Zeichen ungleicher Marktentwicklung

Von Andrej Sokolow, dpa

Eine Menge neuer Smartphones und ein Blick in die Zukunft: Die Mobilfunk-Industrie versammelt sich in Barcelona zu ihrem wichtigsten Branchentreff. Diesmal wollen sich beim Mobile World Congress auch verblasste große Marken wie Nokia und Blackberry zurückmelden.

Berlin/Barcelona (dpa) - Die Mobilfunk-Branche schwärmt schon jetzt von den künftigen superschnellen 5G-Datennetzen. Einen HD-Film soll man dann in weniger als einer Sekunde herunterladen können, die Reaktionszeiten sollen so kurz sein, dass sich sogar ein Auto per Funk steuern ließe. Die Vision von einer Welt, in der Daten jederzeit ungehindert fließen können, wird auch den anstehenden größten Branchentreff Mobile World Congress in Barcelona (27. Februar bis 2. März) beherrschen. Doch bis diese Zukunft eintrifft, werden noch Jahre vergehen - und die Industrie steckt tief in Alltags-Problemen.

Smartphones sind zwar nach wie vor ein Bestseller: Allein im vergangenen Jahr wurden weltweit 1,5 Milliarden Computer-Handys verkauft. Doch unter den Geräteherstellern sichert sich Apple mit seinem hochprofitablen iPhone fast die gesamten Gewinne der Branche, obwohl der Konzern einen Marktanteil unter 20 Prozent hat. In der Masse der Anbieter von Telefonen mit dem Google-System Android verdient noch Marktführer Samsung gutes Geld - die vielen anderen Hersteller stecken in den roten Zahlen fest oder müssen sich mit schmalen Profiten zufriedengeben.

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