Konsumenten merken es: Rohstoffpreise wieder im Aufwind

Von Eckart Gienke, dpa

Nach einem jahrelangen Abwärtstrend haben sich die Preise für Energie und industrielle Rohstoffe gedreht. Nicht nur Rohöl ist seit Januar wieder teurer geworden - sondern auch Erze, Metalle und Agrargüter.

Hamburg (dpa) - Der Verbraucher merkt es an der Tankstelle und beim Heizölkauf: Er muss wieder tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für 100 Liter Heizöl bei Abnahme von insgesamt 3000 Litern (inklusive Mehrwertsteuer) kratzt an der Marke von 50 Euro, wo er zuletzt im vergangenen Dezember notierte. Ein Liter Diesel kostete nach einer Analyse des Portals «Clever Tanken» im April im Durchschnitt 1,02 Euro je Liter und hat damit die Preiszone unterhalb von einem Euro verlassen. Und für Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland 1,25 Euro je Liter bezahlen, fünf Cent mehr als im Monat zuvor.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) betrachtet die steigenden Preise noch nicht unbedingt als eine Trendwende. «Dazu müssten die Steigerungen noch einige Zeit anhalten», sagte HWWI-Rohstoffexperte Leon Leschus.

Der Rohstoffpreis-Index des Instituts kletterte im April abermals um 6,6 Prozent, nachdem das HWWI schon im März ein sehr kräftiges Plus von 14,6 Prozent gemessen hatte. Im Januar hatte der Index seinen tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht; seitdem geht es wieder aufwärts.

Das betrifft nicht allein Energie, also vor allem Öl und Gas. Viele andere Rohstoffpreise hatten ihre Tiefpunkte in den vergangenen Monaten und erholen sich nun wieder. Eisenerz kostete im Dezember weniger als 40 Dollar je Tonne, jetzt sind es mehr als 60 Dollar.

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Ölkonzerne stöhnen unter schwachen Quartalszahlen

Von Hannes Breustedt, dpa

ExxonMobil, der größte nichtstaatliche Ölkonzern der Welt, verdient 63 Prozent weniger. Das schwächste Quartalsergebnis seit 1999 folgt auf eine Reihe weiterer schlechter Nachrichten. Der Marktführer steht stellvertretend für eine gebeutelte Branche. Doch es gibt Hoffnung.

Irving (dpa) - Der US-Ölriese ExxonMobil hat eine rabenschwarze Woche hinter sich: Zuerst kassierten die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's (S&P) erstmals seit fast fünf Jahrzehnten das Spitzen-Rating «AAA» des Konzerns, dann gaben die Texaner die niedrigste Dividende seit 34 Jahren bekannt. Am Freitag dann meldete Exxon den geringsten Quartalsgewinn seit dem Jahr 1999.

Die Misere hat einen simplen Grund: den Ölpreisverfall. In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis für Rohöl mehr als halbiert. Die gesamte Branche ächzt darunter - der US-Marktführer leidet sogar noch auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Hoffnung auf eine Trendwende nimmt zwar zu. Zuletzt ging es am Ölmarkt deutlich nach oben. Mittlerweile haben die Preise für US-Öl und für Nordsee-Öl jeweils die höchsten Stände seit etwa einem halben Jahr erreicht.

Doch auch wenn sich die Aussicht aufhellt - derzeit leckt die Branche ihre Wunden. «Herausfordernde Umstände» habe die Industrie zu bewältigen, kommentierte Exxon-Chef Rex Tillerson nüchtern das schlechteste Quartalsergebnis seines Unternehmens seit über 15 Jahren. Auf 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) - um 63 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert - brach der Überschuss des am Börsenwert gemessen weltgrößten Ölkonzerns ein.

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Auch Zusammenschlüsse stellen kein Allheilmittel in der Stahlbranche dar

Von Erik Nebel, dpa-AFX, und Uta Knapp, dpa

Bis heute hat sich die Stahlindustrie in Europa nicht von den Folgen der Finanz-Wirtschaftskrise 2008 erholt. Zahlreiche Werke schreiben tiefrote Zahlen. Nun wird heiß über Zusammenschlüsse diskutiert. Ist das die Lösung für die Probleme der Branche?

Essen (dpa) - Die Gerüchte werden konkreter. Thyssenkrupp und der indische Stahlkonzern Tata sprechen nach Informationen der «Rheinischen Post» auf höchster Ebene über einen Zusammenschluss ihrer europäischen Stahlaktivitäten. Beide Unternehmen dementieren das nicht, wollen sich aber auch nicht dazu äußern. Vielmehr betont Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger erneut, dass sein Unternehmen eine aktive Rolle bei der erwarteten Konsolidierung spielen möchte. Ob eine große Fusion den erhofften Befreiungsschlag bringt, ist aber zweifelhaft.

Warum kommt die Branche seit Jahren nicht voran?

Weltweit ist Stahl im Überfluss vorhanden. Das drückt auf die Preise. In Europa kämpft die Branche schon seit der Finanzkrise 2008 und dem Platzen der Immobilienblase in vielen südlichen Ländern mit Überkapazitäten. Denn seitdem werden viele Anlagen gerade in Südeuropa nicht mehr gebraucht.

Wie ist die aktuelle Entwicklung?

Dramatisch verschärft hat sich die Lage, seitdem in China das Wirtschaftswachstum schwächelt. Das Land ist in den vergangenen 15 Jahren zum mit Abstand größten Stahlhersteller der Welt aufgestiegen. Doch braucht es einen großen Teil seiner Produktion nicht mehr und versucht, diesen auf dem Weltmarkt loszuwerden. Europäische Hersteller sehen darin Preisdumping - denn China-Stahl könne in Europa auch wegen der hohen Transportkosten nicht kostendeckend angeboten werden. Zuletzt entspannte sich die Lage ein wenig, nachdem die EU erste Schutzzölle eingeführt hat.

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Erfindermesse in Genf: Verbrechen an der Körpertemperatur erkennen

von Anne-Sophie Galli, dpa

Ein Gerät, um Verbrechen zu verhindern und eine App, um Schlafwandler zu schützen. In Genf stellen Tüftler Erfindungen vor, die das Leben besser machen sollen.

Genf (dpa) - Es klingt wie aus einem Hollywood-Film: Das kleine graue Gerät soll die kriminelle Energie eines Menschen an seinen Augen und der Körpertemperatur erkennen. Damit könne es Verbrechen verhindern, behauptet Ali Hasan al-Raschid während der 44. Erfindermesse in Genf und demonstriert es gleich mit einem seiner Kollegen. Der stellt sich vor das auf einem Stativ befestigte Gerät und sendet ein Foto der Augen an einen Computer. «Bei ihm ist alles in Ordnung», sagt der Erfinder aus Katar. «Das Gehirn sendet Signale an die Iris und die sind bei Leuten, die ein Verbrechen begangen haben oder es tun werden, anders.»

Der Tüftler aus Katar ist einer von knapp 700 Ausstellern, die an der weltgrößten Messe dieser Art ihre Geistesblitze präsentieren. Viele sind alltagstauglich, andere einfach kurios. Neu, technisch geprüft und marktreif sind sie laut Veranstalter aber alle. Fast die Hälfte der Exponate stammt aus Asien, am meisten davon aus China.

So beispielsweise das erste Kernspintomographie-Gerät für Säuglinge, das ein Team aus 25 Hongkonger Wissenschaftlern entwickelt hat. «Bei Komplikationen werden Babys heutzutage geröntgt oder in Kernspintomographie-Geräte für Erwachsene gesteckt», sagt Teamleiter Simon Yeung. In Industrieländern hätten rund 1,5 Millionen Babys jedes Jahr solche Komplikationen. «Damit kriegen sie für ihren kleinen Körper viel zu viel radioaktive Strahlung oder Hitze und Lärm ab.» Sein Gerät funktioniere mit nur 3,5 Prozent der Wärme des Geräts für Erwachsene, sei viel leiser und sei damit «gesundheitlich unbedenklich».

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Hotellerie: Konzentrationstendenzen im Angesicht der Konkurrenz durch Airbnb

Von Hannes Breustedt, dpa

Die US-Schwergewichte Marriott International und Starwood wollen sich zum weltgrößten Hotelkonzern zusammenschließen. Der Weg zur Fusion war holprig, und die Zukunft könnte es auch werden. Es gibt harte Konkurrenz - vor allem ein Start-up mischt die Branche auf.

Stamford/Bethesda (dpa) - Nach turbulenten Wochen mit einem milliardenschweren Wettbieten ist der US-Hotelriese Marriott International am Ziel. Mit dem Jawort der Aktionäre steht der Hochzeit mit Starwood Hotels zur weltweiten Nummer Eins nichts mehr im Wege. Mariott-Chef Arne Sorenson bedankte sich am Freitag für das Vertrauen der Investoren und sprach von einem «Meilenstein».

Die Mega-Fusion, die Mitte 2016 abgeschlossen werden soll, könnte jedoch ein Zeichen mehr sein, dass die Branche nach etlichen Jahren mit brummenden Geschäften bald Abstriche machen muss. Analysten sehen verschiedene Risiken für die Hotel-Industrie, darunter das rasante Wachstum eines Rivalen, der trotz seines Status als Underdog die meisten Betten im Angebot hat: Airbnb.

Mit einem gemeinsamen Börsenwert von etwa 30 Milliarden Dollar (26,2 Mrd Euro), mehr als 5500 Hotels und über einer Million Betten würden Marriott und Starwood ihren schärfsten Wettbewerber Hilton deutlich hinter sich lassen. Gemeinsam bringen es die Unternehmen auf 30 Hotelmarken.

Marriott mit Sitz in Bethesda im US-Staat Maryland machte im vergangenen Jahr etwa 14 Milliarden Dollar Umsatz und bringt diverse Ketten wie Ritz-Carlton, Rennaissance oder Courtyard in die Fusion ein. Starwood aus Stamford, Connecticut, steuert unter anderem Le Meridien, Westin oder Sheraton bei.

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