Abgas-Affäre: VW-Vorstand auf der Suche nach Schuldigem

Von Marco Hadem, dpa und Felix Frieler, dpa-AFX

Rund um die Welt fahnden Juristen und Behörden nach den Schuldigen im Abgas-Skandal bei Volkswagen - bislang ohne konkrete Ergebnisse. Das Thema bleibt dem Konzern noch lange erhalten. Und auch der Vorstand muss weiter bangen.

Wolfsburg (dpa) - Es ist eine zentrale Frage im Abgas-Skandal bei Volkswagen: Trägt der damalige Vorstand die Schuld für die weltweiten Manipulationen bei mehr als elf Millionen Diesel-Fahrzeugen? Eine endgültige Antwort gibt es noch nicht. Bisher haben die internen Ermittlungen durch Juristen im Auftrag des VW-Aufsichtsrates keine entsprechenden Hinweise geliefert. Auch die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland und den USA haben bislang keine Anklage erhoben. Und dennoch gibt es noch keinen Grund zur Entwarnung für die einstige Führungsriege um Ex-Konzernchef Martin Winterkorn.

Die Frage nach Schuld und Sühne ist nicht nur eine juristische, sondern auch eine finanzielle. Und das erfordert vom Aufsichtsrat einen schweren Spagat: Muss das Kontrollgremium allein aus formalen Gründen gegenüber allen Vorstandsmitgliedern, die bis vor einem Jahr im Amt waren, hohe Schadenersatzansprüche geltend machen? Müssen die Kontrolleure den Großteil der Vorstandsgehälter einbehalten oder den Vorstand sogar entlassen, obwohl sie eigentlich hinter ihm stehen?

Die Meinungen darüber gehen weit auseinander. Zu den prominentesten Befürwortern zählt der renommierte Wirtschaftsjurist Marcus Lutter. «Der gesamte Vorstand - also alle damaligen Vorstandsmitglieder haben bis zum Beweis des Gegenteils durch sie ihre Pflichten gegenüber VW verletzt», schreibt der Mitverfasser des auch für Volkswagen geltenden Corporate Governance Kodex - das Regelwerk für ethisch und moralisch gutes Verhalten in Aktiengesellschaften - in einem Gastbeitrag in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Bei der «Sicherung der Legalität» hätten sie über Jahre versagt, es gebe also das für Haftungsansprüche relevante Organisationsverschulden.

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Lifestyle-Event am Pfingstwochenende: Goths erobern Leipzig

Von Birgit Zimmermann, dpa

Zum Wave-Gotik-Treffen in Leipzig versammeln sich zu Pfingsten rund 20 000 Anhänger der schwarzen Szene. Wer gehört da eigentlich alles dazu?

Leipzig (dpa) - Lack und Leder, bimmelnde Glöckchen, Irokesen - auf dem Wave-Gotik-Treffen (WGT) in Leipzig gibt es nichts, was es nicht gibt. Viele Besucher sind zwar einfach irgendwie schwarz gekleidet, aber es gibt auch viele aufwendige Outfits. Eine Typologie der WGT-Besucher:

GOTHIC - DER KLASSIKER: Undercut, ausladendes Kleid, irritierend weiße Kontaktlinsen - «Gothic, grob gesagt», so beschreibt Judith aus Frankfurt/Main ihr Styling. «Aber das ist keine Verkleidung», betont die 21-Jährige. Wenn sie feiern gehe, trage sie diese aufwendige Kleidung. Auch ihr Alltag sei nicht so weit weg davon. Judith arbeitet als technische Redakteurin in einer großen Firma, «ein ganz normaler Büro-Job».

UNIFORMEN: Militärische Kleidung ist auf dem WGT vielfach zu sehen. Meist sind es Fantasie-Uniformen. Aber warum überhaupt in Uniform auf's WGT? «Vier Tage, acht Outfits - da gehört auch mal eine Uniform dazu», sagt Julius (29). Für ihn sei es ein ironisch-modisches Statement, das ihm einfach gefalle. In seinem Job im Management eines Pflegeheims bleibe davon nichts mehr übrig. Dort erscheint er «ganz normal, mit Hemd und allem».

MASKEN: Pferdemasken, Gasmasken, Monstermasken - ein bisschen Grusel ist dabei, wenn die Maskenmänner und -frauen des Weges kommen. «Das ist so eine Art Hobby, ein Fetisch», erklärt Thomas (30) aus Chemnitz. Beim Reden macht er Schnaufgeräusche wie Darth Vader. Mehrmals im Jahr, immer auf größeren Veranstaltungen, sei er maskiert unterwegs, sagt der Werkzeugmacher.

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Konsumenten merken es: Rohstoffpreise wieder im Aufwind

Von Eckart Gienke, dpa

Nach einem jahrelangen Abwärtstrend haben sich die Preise für Energie und industrielle Rohstoffe gedreht. Nicht nur Rohöl ist seit Januar wieder teurer geworden - sondern auch Erze, Metalle und Agrargüter.

Hamburg (dpa) - Der Verbraucher merkt es an der Tankstelle und beim Heizölkauf: Er muss wieder tiefer in die Tasche greifen. Der Preis für 100 Liter Heizöl bei Abnahme von insgesamt 3000 Litern (inklusive Mehrwertsteuer) kratzt an der Marke von 50 Euro, wo er zuletzt im vergangenen Dezember notierte. Ein Liter Diesel kostete nach einer Analyse des Portals «Clever Tanken» im April im Durchschnitt 1,02 Euro je Liter und hat damit die Preiszone unterhalb von einem Euro verlassen. Und für Benzin mussten die Autofahrer in Deutschland 1,25 Euro je Liter bezahlen, fünf Cent mehr als im Monat zuvor.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) betrachtet die steigenden Preise noch nicht unbedingt als eine Trendwende. «Dazu müssten die Steigerungen noch einige Zeit anhalten», sagte HWWI-Rohstoffexperte Leon Leschus.

Der Rohstoffpreis-Index des Instituts kletterte im April abermals um 6,6 Prozent, nachdem das HWWI schon im März ein sehr kräftiges Plus von 14,6 Prozent gemessen hatte. Im Januar hatte der Index seinen tiefsten Stand seit zwölf Jahren erreicht; seitdem geht es wieder aufwärts.

Das betrifft nicht allein Energie, also vor allem Öl und Gas. Viele andere Rohstoffpreise hatten ihre Tiefpunkte in den vergangenen Monaten und erholen sich nun wieder. Eisenerz kostete im Dezember weniger als 40 Dollar je Tonne, jetzt sind es mehr als 60 Dollar.

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Waldbrände in Kanada machen Griff zu Ölreserven erforderlich

Von Hannes Breustedt, dpa

Das Ausmaß der Zerstörung durch die Waldbrände in Kanada kann bislang kaum abgeschätzt werden - noch immer sind die Feuer nicht gebändigt. Wie hart trifft das Flammeninferno die Ölindustrie?

New York (dpa) - Die gewaltigen Waldbrände in Kanada haben den Ölmarkt bislang relativ wenig beeindruckt. Doch Experten warnen vor einem andauernden Risiko, das durchaus noch stärkere Auswirkungen haben könnte. Kanada, insbesondere die von den Bränden betroffene Region Alberta, ist für die USA ein wichtiger Öllieferant. Welche Folgen haben die Förderausfälle und was bedeuten sie für den Ölpreis?

«Trotz tobender Waldbrände ist es bislang nicht zu einer Preis-Rally gekommen», sagt Expertin Amrita Sen vom Analysehaus Energy Aspects. Normalerweise sorgt weniger Angebot für steigende Preise am Ölmarkt. Doch dort herrscht Ausnahmezustand, weil ein Kampf um Marktanteile zwischen dem Opec-Kartell mit Saudi-Arabien an der Spitze und den US-Förderern zu einer massiven Überversorgung geführt hat.

Wegen der Waldbrände fällt laut Energy Aspects vorübergehend die Produktion von 2,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) Rohöl pro Tag aus. Die großen Energiekonzerne Suncor und Imperial hätten ihren Betrieb über das Wochenende komplett eingestellt, dazu kämen Pipeline-Schließungen anderer Förderer wie Enbridge - als Sicherheitsvorkehrung. Damit ist der überwiegende Teil der Lieferungen an die USA betroffen.

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Ölkonzerne stöhnen unter schwachen Quartalszahlen

Von Hannes Breustedt, dpa

ExxonMobil, der größte nichtstaatliche Ölkonzern der Welt, verdient 63 Prozent weniger. Das schwächste Quartalsergebnis seit 1999 folgt auf eine Reihe weiterer schlechter Nachrichten. Der Marktführer steht stellvertretend für eine gebeutelte Branche. Doch es gibt Hoffnung.

Irving (dpa) - Der US-Ölriese ExxonMobil hat eine rabenschwarze Woche hinter sich: Zuerst kassierten die Bonitätsprüfer von Standard & Poor's (S&P) erstmals seit fast fünf Jahrzehnten das Spitzen-Rating «AAA» des Konzerns, dann gaben die Texaner die niedrigste Dividende seit 34 Jahren bekannt. Am Freitag dann meldete Exxon den geringsten Quartalsgewinn seit dem Jahr 1999.

Die Misere hat einen simplen Grund: den Ölpreisverfall. In den letzten zwei Jahren hat sich der Preis für Rohöl mehr als halbiert. Die gesamte Branche ächzt darunter - der US-Marktführer leidet sogar noch auf vergleichsweise hohem Niveau. Die Hoffnung auf eine Trendwende nimmt zwar zu. Zuletzt ging es am Ölmarkt deutlich nach oben. Mittlerweile haben die Preise für US-Öl und für Nordsee-Öl jeweils die höchsten Stände seit etwa einem halben Jahr erreicht.

Doch auch wenn sich die Aussicht aufhellt - derzeit leckt die Branche ihre Wunden. «Herausfordernde Umstände» habe die Industrie zu bewältigen, kommentierte Exxon-Chef Rex Tillerson nüchtern das schlechteste Quartalsergebnis seines Unternehmens seit über 15 Jahren. Auf 1,8 Milliarden Dollar (1,6 Mrd Euro) - um 63 Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert - brach der Überschuss des am Börsenwert gemessen weltgrößten Ölkonzerns ein.

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