Twitter will Bedeutungsverlust durch Sanktionen gegen Pöbelaccounts gegensteuern

Jeder kann bei Twitter schreiben - auch Nutzer, die andere beleidigen oder angreifen. Dem Kurznachrichtendienst wurde dabei vorgeworfen, nicht schnell und konsequent genug darauf zu reagieren. Jetzt geht Twitter selbst aktiv auf die Suche nach rabiaten Nutzern.

San Francisco (dpa) - Twitter verschärft weiter sein Vorgehen gegen Belästigungen, Mobbing und Hassrede und wird künftig auch von sich aus aktiv. Der Kurznachrichtendienst will Computer nach Profilen suchen lassen, von denen aus andere Nutzer angegriffen werden. Sie sollen von Software an ihrem Verhalten erkannt werden. Unabhängig davon kündigte Facebook am Mittwoch an, in den USA testweise künstliche Intelligenz zum Erkennen von Selbstmord-Absichten einzusetzen, um den Nutzern helfen zu können.

Die Software könne in -Facebook-Beiträgen Muster ausfindig machen, die auf Selbstmord-Gedanken hinwiesen, hieß es. Solche Posts sollen dann von Mitarbeitern geprüft werden, die Hilfe anbieten können. Die Möglichkeit, entsprechende Beiträge an Facebook zu melden, wird jetzt auch in die Livestreaming-Plattform Facebook Live integriert.

Twitter will mit Hilfe von Algorithmen typisches missbräuchliches Verhalten erkennen - etwa, wenn von einem Profil massenhaft Nutzer angeschrieben werden, die ihm nicht folgen. Solchen Twitter-Konten werden dann für eine Zeit Einschränkungen auferlegt: Zum Beispiel können ihre Tweets nur von den Nutzern gesehen werden, die ihnen folgen.

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Thyssenkrupp: Blick zurück im Zorn auf Amerika-Abenteuer

Von Uta Knapp, dpa

Nach dem Ende der missglückten Expansion in Amerika steht der Thyssenkrupp-Chef vor einer neuen Herausforderung. Nun gilt es, eine Lösung für die europäische Stahlsparte zu finden. Die Börse ist zufrieden - der Betriebsrat aber in Sorge.

Essen (dpa) - Sechs Jahre nach seinem Amtsantritt kann Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger mit dem Verkauf des verlustreichen brasilianischen Stahlwerks CSA eine weitere Großbaustelle abhaken. Er muss aber noch eine Lösung für die europäische Stahlsparte des Konzerns finden. Die Gespräche über einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Tata laufen auf Hochtouren.

Das Fiasko um die geplante Amerika-Expansion endete für die Essener schließlich mit einem Minus von acht Milliarden Euro. Zuvor hatte die Fehlinvestition Thyssenkrupp in eine existenzbedrohende Krise gestürzt. Nach dem Verkauf für rund 1,5 Milliarden Euro an den Konkurrenten Ternium muss der Konzern nun eine Wertberichtigung von rund 900 Millionen Euro vornehmen, weil das Werk zuletzt noch mit rund 2,4 Milliarden Euro in den Büchern stand.

An der Börse legte der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie jedoch deutlich zu. Jetzt fordern Analysten einen Zusammenschluss für die europäische Stahlsparte. Doch den Betriebsrat treiben ganz andere Gedanken um: Er sorgt sich um den Erhalt der Standorte in Deutschland.

Der Bau des Brasilien-Werks war für Thyssenkrupp ein gigantischer Fehlschlag. Schnell explodierten die auf rund 1,3 Milliarden Euro veranschlagten Baukosten, hinzu kamen technische Probleme und enorme Anlaufschwierigkeiten. Veränderte Rahmenbedingungen wie drastisch gestiegene Lohnkosten in Brasilien ließen die Aussicht auf einen wirtschaftlichen Betrieb der Anlage schon bald schwinden.

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Mobile World Congress: Nokia 3310 feiert Comeback

Als hätte es die Smartphone-Revolution nicht gegeben: Das klassische Einfach-Handy Nokia 3310 wird neu aufgelegt. Die bunte Reinkarnation bekam beim Mobile World Congress in Barcelona viel Aufmerksamkeit. Wichtiger für das Geschäft dürften aber neue Nokia-Smartphones sein.

Barcelona (dpa) - Das legendäre Einfach-Handy Nokia 3310 kommt zurück. Der finnische Anbieter HMD Global, der jetzt Geräte unter der Marke Nokia entwickelt und produziert, kündigte die Wiedergeburt des Modells am Sonntag in Barcelona an. Das neue Nokia 3310 bekommt sogar ein ähnliches Design wie der Klassiker aus dem Jahr 2000 - und neben dem Spiel «Snake» auch den typischen Klingelton.

Die Telefone kommen zusätzlich zum gewohnten Grau auch in den verspielten Farben Rot, Gelb und Blau. Vor allem die Batterie-Lautzeit ist man von Smartphones nicht mehr gewohnt: Das neue 3310 22 Stunden Telefonate aushalten - und einen Monat im Standby. Der Verkaufspreis soll weltweit im Schnitt bei 49 Dollar liegen.

HMD Global reitet hier ganz klar ein Nostalgie-Welle, um die angeschlagene Marke Nokia den Nutzern wieder näherzubringen. Einfache Telefone werden immer weiter von den Smartphones verdrängt. Deshalb war die eigentlich wichtigere Ankündigung der Start von drei Smartphone-Modellen mit dem Android-System. Das Einsteigermodell Nokia 3 kostet 139 Euro, das Nokia 5 ist für 189 Euro zu haben, das Nokia 6 schlägt schließlich mit 229 Euro zu Buche. Alle Nokia-Smartphones werden mit «Googles Assistant» vorinstalliert. Die Modelle unterscheiden sich unter anderem in Bildschirm-Größe und Auflösung.

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Fotografie: Sofortbildkamera erlebt zweiten Frühling

Von Andrej Sokolow, dpa

So erstaunlich es klingen mag: Klassische Sofortbild-Fotos sind nicht ausgestorben. Nicht nur Mode-Labels greifen darauf in Werbekampagnen zurück. Es gibt sogar Kamera-Modelle, die alte und neue Technik verschmelzen - allerdings zu einem üppigen Preis.

Berlin (dpa) - Eigentlich schien die Zeit der Sofortbild-Fotografie abgelaufen zu sein. Spätestens mit der Insolvenz des Pioniers Polaroid 2001 - und wenige Jahre später auch der Nachfolgefirma - sah es so aus, dass die Menschen kein Interesse daran mehr haben, schnell einen Foto-Abzug in der Hand zu halten. Fotos, die macht man mit dem Smartphone und kann sie sofort online mit allen teilen, bei Facebook, Twitter oder Instagram. Die einstige Größe des Marktes kommt nie mehr wieder - noch Anfang der 90er Jahre verkaufte allein Polaroid um die vier Millionen Kameras pro Jahr. Doch die Sofortbild-Idee weigert sich standhaft, auszusterben, und sicherte sich zumindest einen Platz in der Nische.

Zum einen sorgte Instagram mit dem Festhalten an dem quadratischen Bildformat und den populären Farbfiltern dafür, dass die Ästhetik des alten Polaroid-Fotos präsent blieb. Zugleich entdeckte unter anderem die Modebranche den Reiz der Schnell-Bilder. Im vergangenen Jahr setzten unter anderem Burberry und Boss sie in ihren Werbekampagnen ein.

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Barcelona: Mobile World Congress im Zeichen ungleicher Marktentwicklung

Von Andrej Sokolow, dpa

Eine Menge neuer Smartphones und ein Blick in die Zukunft: Die Mobilfunk-Industrie versammelt sich in Barcelona zu ihrem wichtigsten Branchentreff. Diesmal wollen sich beim Mobile World Congress auch verblasste große Marken wie Nokia und Blackberry zurückmelden.

Berlin/Barcelona (dpa) - Die Mobilfunk-Branche schwärmt schon jetzt von den künftigen superschnellen 5G-Datennetzen. Einen HD-Film soll man dann in weniger als einer Sekunde herunterladen können, die Reaktionszeiten sollen so kurz sein, dass sich sogar ein Auto per Funk steuern ließe. Die Vision von einer Welt, in der Daten jederzeit ungehindert fließen können, wird auch den anstehenden größten Branchentreff Mobile World Congress in Barcelona (27. Februar bis 2. März) beherrschen. Doch bis diese Zukunft eintrifft, werden noch Jahre vergehen - und die Industrie steckt tief in Alltags-Problemen.

Smartphones sind zwar nach wie vor ein Bestseller: Allein im vergangenen Jahr wurden weltweit 1,5 Milliarden Computer-Handys verkauft. Doch unter den Geräteherstellern sichert sich Apple mit seinem hochprofitablen iPhone fast die gesamten Gewinne der Branche, obwohl der Konzern einen Marktanteil unter 20 Prozent hat. In der Masse der Anbieter von Telefonen mit dem Google-System Android verdient noch Marktführer Samsung gutes Geld - die vielen anderen Hersteller stecken in den roten Zahlen fest oder müssen sich mit schmalen Profiten zufriedengeben.

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Deutsche Börse: Fusion durch Ermittlungen wegen Insiderhandels gefährdet

Von Jörn Bender, dpa, und Daniel Schnettler, dpa-AFX

Die Geschäfte der Deutschen Börse laufen gut. Doch das interessiert derzeit weniger. Dass gegen Konzernchef Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel ermittelt wird, gefährdet die Fusion mit der LSE.

Frankfurt/Main (dpa) - Carsten Kengeter windet sich. Könnte Frankfurt statt London Sitz der Megabörse werden? «Das ist eine spekulative Frage, die ich im Moment nicht beantworten kann», sagt der Chef der Deutschen Börse. In diesem Stil geht es weiter bei der Bilanz-Vorlage des Dax-Konzerns. «Zum gegebenen Zeitpunkt kann ich nicht auf diese Fragen eingehen (...) Ich möchte nicht weiter darauf eingehen, bitte verstehen Sie das (...).» Auch unangenehmen Fragen zum Verdacht des Insiderhandels weicht Kengeter aus: «Ich würde gerne darüber reden. (...) Das ist nicht möglich. (...) Ich bin der Erste, der gerne darüber reden würde, aber die Ermittlungen erlauben das nicht.»

Kengeter macht alles andere als eine glückliche Figur - dabei steht für sein Unternehmen und für ihn persönlich viel auf dem Spiel. Seit Vorwürfe im Raum stehen, er habe Insiderwissen über Fusionspläne mit der London Stock Exchange (LSE) genutzt, um lukrative Aktiengeschäfte in eigener Sache zu machen, ist das glänzende Image des umtriebigen Managers angekratzt. Dass die Geschäfte 2016 gut liefen - mit 2,39 (Vorjahr: 2,22) Milliarden Euro Nettoerlösen und 722 (613) Millionen Euro Überschuss - wird da zur Nebensache.

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